Dalheim

Zeit bis zur Aufhebung

etwa 1197

Otto von Born schenkte der in Ophoven gegründeten Klosterfiliale des Frauenklosters in Herkenrode mit Zustimmung seiner Ehefrau Petronella, seines Sohnes Goswin und seines Bruders Arnold zu seinem und seiner Ahnen Seelenheil sein Allodialgut Schaphausen in Ophoven als wirtschaftliche Grundausstattung. Das Gut war von allen Abgaben befreit. Die Klosterniederlassung in Ophoven rundete in den folgenden 100 Jahren ihren Grundbesitz durch weitere Erwerbungen ab und wurde dabei insbesondere durch die Herzöge von Limburg, Geldern und Jülich sowie durch die Herren von Wassenberg bzw. Heinsberg oder den Bischof von Lüttich unterstützt. Letzterer schenkte dem neuen Kloster kurz nach der Gründung den sog. Rottzehnten im Dekanat Wassenberg; das Kloster hatte hiervon wohl keinen großen Nutzen, weil die Grundherren dem Bischof ein Recht auf die Zehntabgabe für neu gerodetes Land bestritten.


1200 – 03

Der päpstliche Legat und Kardinal Guido, Bischof von Praeneste, der eine Vermittlerrolle im deutschen Thronstreit zwischen Welfen und Staufern ausübte, erteilte im Namen des Papstes Innozenz III. dem Konvent in Ophoven einen Schutzbrief für den vorhandenen und künftigen Güterbesitz.

 

1218 - 22

Die Äbtissin Jutta der Abtei Herkenrode (1205 bis 1237) verlieh 1218 aufgrund der ihr zustehenden Befugnisse dem Filialkloster Ophoven die Privilegien, Regeln und Tracht des Zisterzienserordens (undatierte Urkunde, HStAD, Dalheim Urk.6). Auch die Konversen und Kleriker sollten an den Privilegien teilhaben.
In der Gründungsbestätigung für Herkenrode wurde die Ordensmitgliedschaft auch „den Töchtern dieses Klosters“ zugesichert. Zur Person der Äbtissin Jutta lassen sich keine näheren Angaben machen.
In einer weiteren undatierten Urkunde gaben die Äbtissinnen J(Jutta) von Herkenrode und B(Beatrix) von Ophoven den Anschluss an den Zisterzienser-Orden bekannt. Die älteste datierten Urkunde von 1222 bezeichnete das Kloster Ophoven als „ordinis cisterciensis“.

1223

Der Stifter Otto von Born wurde in der Klosterkirche Ophoven beigesetzt. Arnold von Born, der Bruder des Stifters und zugleich Propst an St. Gereon in Köln, bezeugte, dass am Begräbnistage des Stifters dessen Witwe und Sohn die Schenkung des Allodialgutes in Gegenwart der Äbtissin und des Konvents von Herkenrode nochmals bestätigt hätten.


1226 - 29
Der Herzog von Jülich stellte 1226 alle Güter des Klosters, die in seinem Territorium lagen, unter seinen Schutz.
Ferner nahm 1229 der Erzbischof von Köln, Heinrich I. von Müllenark (1225 – 38), das Kloster Ophoven mit seinen Gütern und Bewohnern auf Weisung des Papstes Gregor IX. (Bulle von 1228), alle Übergriffe auf den Besitz des Klosters mit Exkommunikation und Verlust von Benefizien zu bestrafen, in seinen Schutz.
Erzbischof Konrad von Hochstaden forderte später (1245) unter Bezug auf die päpstliche Bulle auch den Propst von Heinsberg auf, das Kloster Ophoven in seinen Schutz zu nehmen.

1231

Heinrich von Helpenstein verkaufte dem Kloster in Ophoven einen Teil seines Besitzes in Dalheim, und zwar eine Mühle mit Weiher sowie 15 Hufe Land (1 Hufe zu etwa 30 Morgen), mit Zustimmung seines Sohnes sowie seiner Schwester und ihres Gatten (Quelle: Lacomblet a.a.O. Nr. 170) .

Dieser Grundbesitz bildete die Grundlage für den Aufbau eines neuen Klosters in Dalheim.
Die (sukzessive) Verlegung des Konvents von Ophoven nach Dalheim dauerte mehr als 10 Jahre und war endgültig erst nach ca. 30 Jahre abgeschlossen. Die Gründe für die Aufgabe des Standortes Ophoven lassen sich nicht mehr feststellen, sind aber vermutlich in der Überbelegung und Versorgungslage des Klosters zu suchen.

1234
Papst Gregor IX. erlaubte 1234 dem Konvent in Ophoven, auch in Zeiten eines Interdikts Gottesdienste bei verschlossenen Türen und ohne Glocken abzuhalten.

1235
Der Kölner Erzbischof Heinrich I. von Müllenark stellte die neue Niederlassung in Dalheim mit den von dem „Edelen Heinrich von Helpenstein“ erworbenen Gütern unter seinen Schutz.

1238
Der Ritter Reiner von Tygele (Dorf Tegele bei Venlo) stiftete den Klöstern Kamp und Ophoven je zur Hälfte sein Gut Urlake bei Kaldenkirchen zur Einrichtung eines Armenhospizes. In der Schenkungsurkunde wird u.a. die Äbtissin A(gnes) genannt; Kloster Kamp erwarb 1238 den Ophovener Anteil von der Äbtissin Agnes.

1243 - 45
Über die anfänglichen Wohn- und Lebensbedingungen der Nonnen in Dalheim ist nichts bekannt. Bis 1243 war zumindest ein Teil des Ophovener Konvents nach Dalheim in den Bezirk der Helpensteiner Herrschaft umgezogen. Eine eigene Kirche war inzwischen vorhanden, da 1243 der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden allen, die die Zisterzienserkirche in Dalheim an ihrem Kirchweihtag besuchen und eine Liebesgabe zu ihrem Unterhalt geben würden, einen Ablaß gewährte. Ein entsprechender Ablaß wurde 1245 auf weitere kirchliche Hochfeste ausgedehnt (Quelle: Fr.Mayer, Zur Geschichte des Klosters Dalheim, S. 85 a.a.O.).

1247 - 48
Der Konvent bekundete 1247 die Trennung der ihm bisher einverleibten Pfarrkirche zu Ophoven von der Kirche Dalheim, behielt aber das Patronatsrecht über Ophoven und kam noch bis in das 18.Jahrhundert hinein für Reparaturen und Umbauten an der Pfarrkirche auf.
Über die Größe des Konvents gibt es keine Angaben. Der Papst befreite 1247 die Äbtissin wegen der Überbelegung des Konvents aber von der Verpflichtung, neue Konventualinnen aufgrund einer „päpstlichen Provision“ aufzunehmen. (Eine solche Provision war neben dem Patronatsrecht im Spätmittelalter eine Möglichkeit, ein Kirchenamt mit einer Pfründe zu erhalten.) Dies hatte langfristig zur Folge, dass die Religiosen meist aus den miteinander verwandten Adelsfamilien im Raum zwischen Maas und Rhein stammten.
Die Äbtissin und der Konvent erhielten 1248 durch päpstliche Zustimmung das Recht, über Vermögenswerte, die die Frauen beim Eintritt in das Kloster mitbrachten, frei zu verfügen.
 

1258 - 1300
Die vollständige Übersiedlung von Ophoven nach Dalheim war 1258 abgeschlossen, denn Goswin von Born bestätigte die Schenkung seiner Eltern sowie die Übersiedlung der Nonnen nach Dalheim.
Bis 1300 wurde der Grundbesitz und die Einkünfte des Klosters durch zahlreiche Zuwendungen gefestigt (Übertragung von Schenkungen, Vererbung von Grundbesitz samt Einkünften, Anniversarien, Schuldenerlaß, aber auch Erwerb von Renten, Zehntrechten oder Erbzinsen). Zahlreiche Urkunden zeigen, dass das Kloster durch den Herzog von Limburg, durch das Haus Wassenberg bzw. durch die Herren von Helpenstein und von Heinsberg zum eigenen Seelenheil finanziell unterstützt wurden.
Das Kloster erwarb z.B.  den Neuenhof (in Baal) und den Titzenhof (1245). Beide Höfe standen noch im Eigentum des Klosters bei seiner Auflösung. So erlaubten 1262 Wilhelm III. von Helpenstein und seine Frau Sophie von Wickrath ihrem Lehensmann Adam von Eiche (gt. de Quercu) den „lehnrührigen“ Teil seiner Güter bei Dalheim

(80 Tagewerk Wald) dem Kloster zu übertragen. Die Herren von Born verkauften dem Konvent 1306 – 09 Zehntrechte an Gebäuden und Grundstücken in Blerik und Horst.


1331
Der Bischof von Lüttich entschied, dass Ophoven stets einen eigenen Pfarrer („perpetuus vicarius“) haben sollte, bestimmte dessen Einkünfte und Pflichten und bestätigte das Patronatsrecht des Klosters. Anlaß war Streit zwischen dem Kloster und dem Ophovener Pfarrer über dessen Einkünfte; solche Auseinandersetzungen wiederholten sich bis 1700 noch mehrmals.


1345
Das Kloster erhielt eine großzügige Schenkung zur Errichtung eines Bernadusaltars in der Klosterkirche. Hieraus wurde auch die Anstellung eines zweiten Geistlichen (Rektors) bezahlt. Ein Bild des hl. Bernard von etwa 1525 aus der Schule des „Meisters van Elsloo“ stand vermutlich am St.Bernard-Altar und kam nach der Klosterauflösung 1802 nach Roermond.

1354
Die klösterlichen Urkunden nach 1300 zeigten, dass die Geldwirtschaft für das Kloster zunehmend an Bedeutung gewann. Den Nonnen war durchaus Privatbesitz (z.B. durch Annahme von Erbschaften, Nießbrauch ihres elterlichen Erbgutes oder aus Privatgeschäften) erlaubt, insbesondere wenn nach dem Tode einer Nonne die Eigentumsrechte an das Kloster fielen.

Das Kloster kaufte 1354 z.B. Erbrenten aus dem mitgebrachten Vermögen der Nonnen, die zu ihren Lebzeiten hieraus bereits den Nießbrauch hatten.

Noch 1456 wurden den Schwestern Grete, Nese und Trijne Roffart beim Eintritt in die Klöster Dalheim und Duissern aufgrund einer Erbteilung die Einkünfte aus dem Gut Overnortnich bei Wanlo im Land Wickrath (Stadtteil von Mönchengladbach) zum eigenen Gebrauch zugewiesen (Quelle: Regesten 1450-56 Loe Giesen, dort: K.A.V. Kempen: Familienarchief Schaesberg, Tannheim, Urkunden 979).

1386 – 1438

Für die Zeitspane von rd. 50 Jahren sind keine Nachrichten erhalten.

1439
Zwischen 1439 und 1500 liegen wieder Urkunden über Pachtverträge und Bestätigungen bestehender Steuerprivilegien vor. Aus den Urkunden ist ersichtlich, dass sowohl die Herzöge von Jülich als auch von Geldern das Kloster durch Steuerbefreiung einiger Höfe begünstigten.

1450 ff

Das innere Klosterleben dürfte in seinen Anfängen den Anforderungen der Ordensgemeinschaft (Religiöse Lebensführung im benediktinischen Geist der Askese, Armut und Arbeit) entsprochen haben. Das regelmäßige Chorgebet, die meditativen Betrachtungen und Fürbitten für das Seelenheil der Stifter zahlreicher Memorien waren wesentlicher Inhalt des kontemplativen Klosterlebens. Im Laufe der Zeit traten aber Veränderungen des strengen Klausurlebens, mangelnde Umsetzung der asketischen Ideale und ein Nachlassen des religiösen Eifers auf; dies wurde nach außen als Verweltlichungen und Regelverstoß angesehen. Diese Entwicklung, zu der die kirchlichen Wirren des abendländischen Schismas im ausgehenden Mittelalter erheblich beitrugen, ging am Kloster Dalheim nicht spurlos vorbei. Das Hauptziel der allgemein geforderten Klosterreformen des 15.Jahrhunderts nach dem Konzil von Basel (1431–49) richtete sich zwar darauf, in den Frauenklöstern wieder die strenge Beachtung der Klausurregeln und die Abschaffung des Privateigentums der Nonnen durchzusetzen.  Jedoch haben sich Nachrichten über Reformbemühungen vor 1500 und eventuelle Widerstände der Nonnen gegen Reformen nicht erhalten.

1475 - 1509

Der jülichsche Herzog Wilhelm IV. (1475–1511) betrieb eine Politik der Erneuerung des Kirchen- und Klosterwesens. Er erhielt das Recht, dass die Untertanen in weltlichen Streitfragen nicht mehr vor ein geistliches Gericht zitiert werden durften. Er beanspruchte aber ein Aufsichtsrecht über die Klöster, deren Unterstellung unter die Landesverwaltung, so dass Klosterreformen ohne Zusammenarbeit der geistlichen Reformkräfte und der weltlichen Landesherren nicht möglich waren, sowie die Reglementierung des geistig-sittlichen Lebens aller Untertanen zur „Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Moral“. Dazu zählten vor allem die Abschaffung des Priesterkonkubinats und die Einschränkung der klerikalen Steuerimmunität beim Grunderwerb („Tote Hand“).
Das Kloster Dalheim stand unter den Einfluß der jülichschen Kirchenpolitik, nachdem das Dalheimer Gebiet seit 1494 durch Pfandschaften bzw. Abtretungsverträge in jülichschen Besitz kam. 

1509

Bischof Erard von Lüttich versuchte 1509, das Kloster Dalheim in der Amtszeit der Äbtissin Irmgard von Nievenheim (1495-1537) zu reformieren und wieder zur strengen Observanz zurückzuführen. Er nahm dabei die Hilfe des jülichschen Drosten von Wassenberg gegen den Protest des Erbvogtes von Roermond, Johann von Vlodrop, in Anspruch; letzterer beanspruchte die Herrschaft über den Ort Dalheim, der 1436 auf längere Zeit an die Roermonder Vögte verpfändet worden war. Sowohl der Herzog von Jülich als auch der Wassenberger Drost baten den Vogt, die Reform des Klosters nicht zu behindern (Quelle: Redlich: Jülich-Bergische Kirchenpolitik, Bd.2, S.723,724 a.a.O.).
Der Reformversuch führte nicht zur dauerhaften Erneuerung der Klausur, denn es zeigte sich, dass das Kloster sich zu einem adeligen Damenstift entwickelt hatte und die Nonnen ihre Lebensgewohnheiten beibehielten (keine Residenzpflicht der Nonnen, keine gemeinsamen Mahlzeiten, Privatbesitz blieb erlaubt).


1532

Der Herzog von Jülich, Johann III. (1511-39) setzte die Kirchenpolitik seines Vaters im Geiste des Erasmus von Rotterdam fort und tolerierte die reformatorische Lehre. Mit seiner Kirchenordnung von 1532 bekundete er seine Reformabsichten, beanspruchte aber ein landesherrliches eigenes Visitationsrecht für alle Pfarreien und Klöster.
Die 1533 angeordnete Erkundung der kirchlichen Zustände in den Amtsbezirken des Herzogtums Jülich-Berg ergab beim Kloster Dalheim, dass die 15 Klosterfrauen die strengen Klosterregeln kaum beachteten. Sie besuchten den Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen nicht regelmäßig; sie hielten keine gemeinsamen Mahlzeiten, weil jede ihre eigene „Kuch“ (eigenen Haushalt) hatte; sie konnten im Kloster beliebig ein- und ausgehen; die Äbtissin hatte ihren persönlichen Kaplan und der Beichtiger aus Villiers hörte lediglich die Beichte und las seine Messe.
      „Dei jonfern zu Dalheim hoern nit alle sondags und hillich dags (miss). Da ist ein weltlich caplan, der junge Nonnen unterrichtet. Der bichter ist van Villiers, er hort bicht und deit sin miss, sunst kroerdt er sich mit michten. Sin 15 gewilte jonfern, haven ider sin eigen kuch. Mallich komt da in und us; weiss van geiner ergerung. Ein fraue nimt ein caplan nach irem gefallen“ (Quelle: Redlich: Jülich-Bergische Kirchenpolitik, Bd.2,1911, Fußnote S.723 a.a.O.).


1537

Die Äbtissin Irmgard von Nievenheim (+1537) machte zu ihrem Seelenheil eine großzügige Memorienstiftung, die Überschüsse dieser Stiftung sollten den Religiosen zu Gute kommen.


Nach ihrem Tod trat eine wesentliche Änderung der inneren Verhältnisse des Klosters ein. In die Zeit der vakanten Äbtissinnenstelle schloss nämlich die Priorin Christina von Neukirchen mit ihren Klosterschwestern eine beurkundete Übereinkunft (möglicherweise aus Sorge vor einer Aufhebung des Klosters bzw. Umwandlung in ein protestantisches Stift), in der die Nonen das Klostervermögen unter sich aufteilten und die Ansprüche jeder Nonne z.B. auf Geldleistungen für die eigene Haushaltführung  und den persönlichen Bedarf (Ankauf von Nahrungsmitteln wie Fleisch, Fisch, Weizen, Erbsen, Butter, Brot, Oel, Bier und Wein, außerdem Kleidung, Schuhe, Brennholz) aus dem Klostervermögen festlegten. Jede Nonne sollte in ihrem Haus oder ihrer Kammer eine Feuerstelle mit Schornstein haben. Die Klostergemeinschaft wurde als Stift bezeichnet, dessen Verwaltung in den Händen eines Rentmeisters blieb.


1543 - 48
Im Geldrischen Erbfolgekrieg (Auseinandersetzung um das Herzogtum Geldern zwischen dem Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg und Kaiser Karl V. im Jahre 1543) ließ der Herzog mit Billigung der Landstände die Kirchenschätze aller Kirchen, Klöster und Stifte zur Bezahlung der Kriegskosten beschlagnahmen. Über das Kloster Dalheim haben sich hierüber Nachrichten nicht erhalten.
Jedoch hatte der Herzog in dieser Zeit Kirchengüter der Kirche in Ophoven beschlagnehmen lassen, die erst wieder freigegeben werden sollten, wenn die Äbtissin die Kirche durch einen Priester bedienen lasse, der sich an die herzogliche Ordnung halte.

1549
In der Klosterkirche befanden sich 4 Altäre: Muttergottes-, Anna-, Antonius- und ein Katharina-Altar.

 

1560
Der Herzog Wilhelm V. („der Reiche“, 1539–92) duldete ebenfalls die Reformation, mußte aber nach der militärischen Niederlage gegen Kaiser Karl V. (1543) wegen der Gebietsansprüche auf das Herzogtum Geldern sich verpflichten, in seinen Ländern die alte Lehre gelten zu lassen. Er griff wie seine Vorgänger in kirchliche Angelegenheiten durch Kirchen- bzw. Klostervisitationen ein. Trotz des inneren Wandels des Klosters Dalheim zum stiftischen Klosterleben war aus der Sicht des Landesherrn bei einer Visitation im Jahre 1560 durch herzogliche Räte ein regelwidriges Verhalten der Konventualinnen nicht erkennbar.
Über die Lebensweise der 18 Konventualinnen wurde berichtet: „Die geweileten junfern sein 18 und furen ein erbarliches christliches leben“ (Quelle: Redlich, Jülich-Bergische Kirchenpolitik, Bd.2, 1911, S.723, 724 a.a.O.).
Vielleicht lag diese positive Beurteilung auch daran, dass der Herzog sich häufig mehrere Tage im Kloster zur jährlichen Jagd im Wassenberger Land aufhielt. Die Jagdveranstaltungen waren auch Ausdruck des bisherigen klösterlichen Wohlstands; das Kloster hatte nach den Abrechnungen des Rentmeister die Kosten für die Hofhaltung des Herzogs zu bestreiten.

 

1570 - 74
Die Äbtissin, Priorin, Subpriorin und eine Schwester starben an der Pest.

 
1574

Das Konzil von Trient (1545-63) hatte in seinem Bestreben, durch einen inneren Reformprozess die Ausbreitung des Protestantismus einzudämmen, auch Maßnahmen zur Erneuerung des klösterlichen Lebens beschlossen. Das Generalkapitel beschloss daher 1565, durch beauftragte Visitationskommissare alle Klöster wieder zu einer strengen Observanz zu verpflichten, Privateigentum abzuschaffen und alle der Häresie verdächtigen Personen oder Bücher aus den Klöstern zu entfernen. In diesem Sinne visitierte der Generalabt von Citeaux, Nikolaus Boucherat (1571-85) zwischen Juni – September 1574 ca. 50 Klöster in den Diözesen Köln und Lüttich. Er besuchte am 27.8.1574 das Kloster Dalheim, in dem 14 Nonnen einschl. Äbtissin lebten. Das Kloster war nach seinem Bericht jedoch „sehr gut reformiert“ (Quelle: Postina, S.225 und 264 a.a.O.).


1581
Ein Teil des Klosters wurde 1581 durch Brand zerstört. Der Herzog von Jülich finanzierte die Wiederherstellung.

1584 - 86
Die Region um Dalheim wurde durch mehrere Kriege in Mitleidenschaft gezogen. Unruhe war bereits entstanden, als z.B. Roermond 1572 durch Truppen der Generalstaaten erobert wurde und 1579 spanische Truppen in das Amt Wassenberg eindrangen.
Von etwa 1584 an war bis zur Mitte des 17.Jahrhunderts das monastische Leben unter den äußeren Bedrohungen sowie den Existenznöten infolge der zu zahlenden Kriegskontributionen und der fehlenden Pachteinnahmen aus den abgebrannten bzw. geplünderten Dörfern kaum noch möglich.
Das Kloster wurde in den Jahren 1584 und 1586 durch bayrisch-spanische Truppen geplündert, die im Amt Wassenberg die Bevölkerung in der Zeit des Truchsessischen Krieges (Kampf um das Erzstift Köln zwischen dem exkommunizierten Kölner Erzbischof Gebhard von Waldburg nach seinem Übertritt zum Protestantismus und dem neuen Erzbischof Ernst von Bayern) drangsalierten. Die Nonnen unter der Äbtissin Irmgard von Schilling (1570 – 1614) flüchteten jeweils zu Verwandten in Heinsberg und Roermond.

 

1602
Auf Beschluß des Generalkapitels bestellte der Abt Claudius Masson von Morimond den Kamper Abt Godfried Draeck zum Visitator des Klosters Dalheim. Bisher übte das Kloster Val-Dieu (Diöz. Lüttich) die Aufsicht aus, konnte aber aufgrund der eigenen desolaten Verhältnisse und inneren Krisen keine Beichtväter mehr nach Dalheim schicken. Seitdem wurden die Beichtvater in Dalheim vom Kloster Kamp bestellt, bis der letzte Beichtvater aus Kamp 1723 im Streit mit der Äbtissin abberufen wurde und die Nonnen fortan ihre Beichtväter aus dem Kapuzinerkloster in Wassenberg wählten.

1624

Abt Laurentius Bever aus Kamp führte eine Visitation am 25. 1.1624 durch (vermutlich im Zuge der Gegenreformation und in der Absicht, den Konvent zur strengen Einhaltung der Klausur zu verpflichten); der innere Zustand des Klosters wurde jedoch nicht beanstandet. Es wurde u.a. festgelegt, dass am Festtag des hl. Bernard auch das Dienstpersonal des Klosters alle Handarbeiten ruhen lassen durfte. Der Konvent zählte zwischen 1620 bis 1630 zwischen 16 bis 18 Religiosen.


1625 – 29
Das Kloster wurde 1625 während des Jülichschen Erbfolgekrieges von Brandenburgischen Soldaten ausgeplündert; gefangene Klosterbewohner kamen nur gegen hohes Lösegeld frei (Quelle: Fr. Mayer in: „Zur Geschichte des Klosters Dalheim“, S.101 a.a.O. mit Bezug auf Urk. im Archiv zu Roermond). Das Kloster mußte 1629 seinen Stadtbesitz in Roermond verkaufen, um Kontributionen bezahlen zu können.

1635 – 51
Die Nonnen flohen erneut aufgrund der Kriegsereignisse im 30-jährigen Krieg nach Elsum (1635) und Heinsberg (1642). Das Rechnungsbuch der Äbtissin Hedwig von Pollart (1635–57) zeigt, dass es zwischen 1635 bis 1647 kaum möglich war, Dienstboten zu bekommen bzw. zu halten sowie die Löhne rechtzeitig zu bezahlen. Der Lohn bestand z.T. auch aus Naturalien (z.B. Schuhe).
Der Konvent mußte noch 1651 Fremdkapital zur Beseitigung von Kriegsschäden und Bezahlung von Kriegskontributionen aufnehmen. Andererseits gab der Konvent 1651 und 1666 der Kirche in Arsbeck Darlehen zur Zahlung von Kriegsabgaben.

1657 - 68
Josina Clara von Hillen (1657– 68) leitete das Kloster als Äbtissin. Ihre Amtseinführung war mit einer Visitation durch den Kamper Abt Petrus Polonius und dem Erlaß neuer Statuten verbunden, die den Konvent zur Einhaltung der strengen Klausurbestimmungen verpflichteten, doch war von gravierenden Regelverstößen keine Rede.
Die nachfolgenden Äbtissinnen regierten nur jeweils kurze Zeit: Anna Magdalena von Morion (1668–69) und Katharina Anna von Binsfeld (1669 – 72). Letztere stammte aus dem Kloster Graefenthal. Ihre Wahl wurde vom Abt favorisiert; hieraus und vermutlich auch wegen ihres Alters von 24 Jahren ergaben sich Querelen im Konvent.

1672
Nach dem Tod der Äbtissin Anna Catharina Binsfeldt, die nur drei Jahre seit 1669 regierte, wurde Elisabeth von Bocholtz mit 24 Jahren zur Äbtissin (1672–1714) unter dem Vorsitz des Kamper Abtes gewählt.

1678
Französische Truppen besetzten Wassenberg (1678). Der Konvent flüchtete nach Roermond und hielt sich für mehrere Monate beim Vater der Äbtissin auf (Arnold von Bocholtz, königl.-spanischer Geheimrat in Roermond).

1696
Es wurde ein neues Totenverzeichnis angelegt, das vermutlich auf ältere und nicht mehr vorhandene Aufzeichnungen zurückging, aber nur einen unvollständigen Überblick über die Religiosen bis 1800 gab.

1699
Das Kloster schenkte der Kirche in Ophoven den geschnitzten Hochaltar (von 1520, Antwerpener Schule) aus der Klosterkirche Dalheim, der trotz aller Kriegswirren nicht zerstört wurde. Das Kloster wurde als „adelijke Stift“ bezeichnet.

1701 - 14
Das Kloster wurde von französischen Soldaten ausgeplündert, die vom Frühjahr 1701 bis Herbst 1702 auch östliche Gebiete von Roermond, darunter das Gebiet um Dalheim, besetzt hielten. Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-13) stritten Österreich und Frankreich um das spanische Erbe nach dem Tod des spanischen Königs Karl II., mit dem die spanisch-habsburger Linie ausstarb.
Die Nonnen mußten flüchten; das Kloster wurde wieder instandgesetzt. Ein Bruder der Äbtissin (Arnold von Bocholtz) stiftete 1711 ein Ölgemälde für den Hauptaltar (Verbleib des Bildes ist unbekannt; es befand sich nach der Auflösung des Klosters in der Pfarrkiche von Vlodrop bis zum dortigen Kirchenneubau vor dem 2.Weltkrieg).

1714
Maria Elisabeth von Eynatten (1714 – 1725) regierte als Äbtissin. Das Kloster stand vor einer Krise, denn zwischen 1715 und 1717 verstarben 6 von 9 Konventualinnen. Der Verlust konnte durch 5 Neuzugänge bis zum Ende des Jahrzehnts fast ausgeglichen werden.

 

1732
Unter der Äbtissin von Lüninck (1725–57) wurde ein neues Wirtschaftsgebäude errichtet (es ist das älteste noch erhaltene Klostergebäude, in dem Wohnungen nach der Säkularisation eingerichtet wurden).
Die Nonnen (Äbtissin und Priorin ausgenommen) protestierten beim Kamper Abt gegen neue Kleidervorschriften und die Anstellung eines festen Beichtvaters.
Die Nonnen beharrten darauf, weiterhin Kapuzinerpatres aus Wassenberg als Beichtväter wählen und ihre bisherige schwarze Tracht (ohne das geforderte Skapulier und die weiße Chorkappe) tragen zu können. Ein vom Kloster Kamp abgeodneter Beichtvater wurde wieder zurückgerufen.
Die Visitation durch den Kamper Abt Franz Daniels (1743) konnte die Querelen nicht beenden. Auf die Beschwerden der Äbtissin beim Generalabt, beim apostolischen Stuhl und beim Landesherrn in Düsseldorf entschied 1745 der päpstliche Legat gegen den Kamper Abt; den Nonnen wurde freie Hand gelassen.

1774 – 1802
In dieser Zeit regierte die Äbtissin Maria Anna von Oeyen. Sie ließ die Klostermühle neu aufbauen (1775). Das Kloster gewann einen Prozess (1776) wegen der Einstellung einer regelmäßigen Brotspende für die Armen, weil diese Spende vom Kloster freiwillig erfolgte und nicht auf eine Stiftung zurückging.
Ein Streit spaltete 1787/88 den Konvent: Verdächtigungen über den angeblich unmoralischen Lebenswandel der Äbtissin Maria Anna von Oyen (Oeijen) waren von einem früheren Klosterkaplan erhoben worden, der von der Äbtissin wegen seines vertraulichen Umgangs mit einigen Nonnen ermahnt worden war und der später seine Verdächtigungen widerrief. Aufgrund einer Beschwerde von 4 der 9 Nonnen beim Kamper Abt Bernard Wiegels wurde die Äbtissin 1788 vom Abt ohne Prüfung ihrer Unschuldsbehauptungen abgesetzt; die Äbtissin war wegen eines angeblichen Verhältnisses mit ihrem Rentmeister Reinhartz ins Gerede gekommen. Ihre Beschwerde beim Generalabt und die auf Anordnung von Citeaux durchgeführte Untersuchung durch den Abt von Marienfeld (Westerwald) führten zur Rehabilitation der Äbtissin und Rücknahme ihrer Amtsenthebung. Die 4 intrigierenden Nonnen gaben ihren Widerstand auf und erneuerten ihr Gehorsamsgelübde. Andererseits erreichte die um ihr Ansehen besorgte Familie von Oeijen, dass der Rentmeister, der in Dalheim vor allem wegen seines Konkubinats keinen guten Ruf hatte, entlassen wurde (Quelle: Peter Geuskens, De laatste abdis van dalheim en haar rentmeester in opspraak?, DE MAASGOUW 123, 2004).

1792 ff
Das Kloster lag zwischen den Kriegsfronten der französischen Revolutionstruppen und der österreichischen Truppen. Die Fronten wechselten zwischen 1792 – 94 mehrfach; stets wurde dabei das Kloster geplündert. Viele wertvolle Stücke der Klosterausstattung wurden von den Nonnen jedoch versteckt. Ab 1794 bis 1814 blieb das linksrheinische Rheinland von den Franzosen besetzt, die die Rechte der geistlichen Institutionen einschränkten. Das Kloster war zwar noch bewohnt, aber ab 1798 war die Steuerlast erdrückend (Wegfall der Steuerfreiheit, Abschaffung des Zehnten); außerdem verbot die französische Verwaltung die Aufnahme von Novizinnen und ordnete die Bestandsaufnahme des Klostervermögens an. 1802 kam das Ende, als die sieben Konventualinnen innerhalb von 10 Tagen das Kloster verlassen mußten.


Redakteur: H. Dickmann - Aktualisierung: 21.01.2016