Burbach

Zeit bis zur Aufhebung

1233

Die Klostergründung in Burbach war Gegenstand zweier Urkunden. In der ersten vom 5.9.1233 bestätigte der Kölner Erzbischof Heinrich von Molenark die Einrichtung eines Frauenklosters durch Guderardis Gir aus dem Kölner Patriziergeschlecht Gir (vgl. auch unter Kloster Mariengarten).
In der zweiten Urkunde vom 20.9.1233 wurden Vereinbarungen zwischen der Äbtissin Mechthild des Klosters Mariengarten und Guderardis Gir getroffen, die die Überführung von 31 (?) Frauen nach Burbach, die Übernahme der Schulden sowie die Aufteilung des städtischen und ländlichen Besitzes auf Mariengarten und Burbach behandelten. Die Neugründung erhielt dabei insbesondere Grundbesitz am Standort, in Berrenrath, in Königswinter, Stadthäuser mit Zinserträgen in Köln, Geldrenten sowie Anteile an verschiedenen Liegenschaften und des Viehbestandes. Die Abwicklung dieser Aufteilung sollte durch ein Kleriker-Gremium überwacht werden.

1236

Die Güter, die das Kloster Burbach durch die Besitzaufteilung erhielt, bildeten zwar einen Grundstock, aber die wirtschaftliche Existenzsicherung erhielt Burbach erst durch den Erwerb des Berrenrather Fronhofes (Herrenhofes) vom St.Ursula-Stift in Köln unter Zustimmung des Kölner Erzbischofs sowie durch weitere Landschenkungen der Klosterstifterin Guderadis Gir und den Erwerb der Mühlenrechte an der vorhandenen Kornmühle (1258).

Die ersten Nonnen wohnten möglicherweise schon in Burbach.

 

1241

Guderadis Gir schenkte dem Kloster zusätzliche Güter, und zwar in Berrenrath 3 Hufe, in Burbach 4 Hufe, in Brühl 5 ½ Hufe Ländereien, außerdem Wald und Wiesen beim Kloster sowie einen Weinberg in Dollendorf. Der Kölner Erzbischof bestätigte 1241 diese Schenkung. Eine Hufe entsprach etwa einer Ackerfläche von 12 bis 15 Hektar. Wahrscheinlich ging aus den 4 Hufen zu Burbach der sog. Stumbshof (Wirtschaftshof zur Versorgung des Klosters) hervor.
Der Zeitpunkt der Inkorporation ist nicht zuverlässig datiert, die Zugehörigkeit zum Orden aber 1241 belegt.

1252

Vermutlich war die Errichtung des neuen Klosters und Kirche abgeschlossen, da eine Kölner Bürgerin eine Rente für zwei Lampen des ewigen Lichts stiftete.

 

1256

Papst Alexander IV. nahm das Kloster unter seinen Schutz und bestätigte die Besitzungen des Klosters in Burbach, Berrenrath, Linde, Brühl, Erp, Königsdorf, Kessenich, Lövenich, Königswinter.

 

1298

Die Herrschaft Hülchrath verzichtete 1298 auf ihre Vogteirechte über den Berrenrather Fronhof zugunsten des Klosters. Die Nonnen ließen 1298 auf der höchsten Erhebung der Ville eine Säule mit dem Bildnis des hl. Wendelinus errichten.

 

1333

Es wurde ein Ablaß erteilt zugunsten von Kloster und Kirche, die St. Dionysius geweiht war. Der Anlaß ist unbekannt.

 

1344

Das Kloster kaufte den Lohhof in Köln in der Nähe des Neumaktes. Dieser Wirtschaftshof gehörte zum klösterlichen Hausbesitz in der Stadt Köln, in dem sich die Nonnen in Kriegszeiten aufhalten konnten.

Für die folgenden rd. 200 Jahre liegen keine genauen Nachrichten zum Kloster über besondere Ereignisse, über den inneren Zustand oder Reformen vor.

 

1450 ff
Die Klosterreformen des 15.Jahrhunderts waren Teil einer breiten und allgemein geforderten Kirchenreform nach dem Ende des abendländischen Schismas (1378–1417) und nach dem Konzil von Basel (1431–49). Reformziele waren vor allem, die Nonnen zur strengen Beachtung der Klausurregeln zu verpflichten (Observanz) und zu einem klösterlichen Leben in Abgeschiedenheit von der Außenwelt zurückzuführen.
Die Lebensweise wurde nach außen vielfach als Verweltlichung bzw. Niedergang der Klosterzucht wahrgenommen. Merkmale waren Kontakte zur Außenwelt, Besuchsreisen, Privatbesitz, zunehmender Kleiderluxus, mangelnde Einhaltung der Gottesdienstordnung bzw. gemeinsamer Mahlzeiten und Benutzung gemeinsamer Schlafräume, sogar Schreiben bzw. Empfang von Briefen ohne Erlaubnis der Äbtissin. Privatvermögen war den Nonnen aber durchaus erlaubt.  Erbverzichte beim Klostereintritt einzelner Nonnen zwischen 1380 bis 1654 zeigten, dass manche vermögend waren und Häuser selbst verpachten bzw. Vermögen selbst verwalten konnten.
Über eine Reform des Klosters Burbach gibt es keine Nachrichten, dennoch muß man davon ausgehen, dass eine solche unter dem Kölner Erzbischof Dietrich von Moers stattfand. Ein Schwerpunkt seiner Regierung war die Durchführung von Klosterreformen im päpstlichen Auftrag, auch wenn er dabei seine Jurisdiktionsgewalt auf exemte Klöster ausdehnen wollte. Er hatte dazu aber auch Ursache, weil einige Frauenklöster des Erzstiftes (Walberberg, Frauenthal oder Bottenbroich) sich wegen fehlender Einkünfte nicht mehr selbst versorgen konnten und Anordnungen des Generalkapitels in Citeaux über Klosterauflösungen und Besitzverteilung (Frauenthal) seinen landesherrlichen Hoheitsrechten entgegenstanden.


1569

Das Konzil von Trient (1545-63) hatte in seinem Bestreben, durch einen inneren Reformprozess die Ausbreitung des Protestantismus einzudämmen, auch Maßnahmen zur Erneuerung des klösterlichen Lebens, insbesondere die Beachtung einer strengen Observanz, beschlossen. Desweiteren sollte bei den Geistlichen die Amtsausübung nach der katholischen Lehre und der persönliche Lebenswandel überprüft sowie der Ausbildungsstand gehoben werden, insbesondere aber die Abschaffung des üblichen Konkubinats erreicht werden.
Im Erzstift Köln begann 1569 auf Drängen des Papstes eine Visitationskampagne unter dem Kölner Fürstbischof Salentin von Isenburg (1567-77). Die Kommission, die aus dem Kölner Weihbischof, kirchlichen Räten und Mitgliedern des Domkapitels bestand, besuchte die drei Zisterzienserinnenklöster Benden (17.6.1569), Eppinghoven (23.7.1569) und Burbach (9.8.1569). Nach dem Protokoll der Kommission entsprachen die Lebensverhältnisse der Nonnen in Burbach keineswegs den strengen Klausurregeln, so dass der Klausurbereich wieder geschlossen werden sollte. Da Nonnen und Priester ihre Mahlzeiten gemeinsam in der Wohnung der Äbtissin einnahmen, wurde der Prior (gleichzeitig auch Beichtvater) angewiesen, in seiner Wohnung allein zu speisen. Die Nonnen mußten wieder im Refektorium speisen.
Die Ermahnungen, dass z.B. die adeligen Nonnen sich nicht für etwas besserers halten sollten, die Äbtissin bei disziplinarischen Maßnahmen gegen Konventsmitglieder keine Standesunterschiede zu machen hätte oder die Konversinnen zu Gehorsam und Eintracht aufgefordert wurden, sind von allgemeiner Art und wurden auch bei Visitationen anderer Konvente erteilt. Weitere gravierende Regelverstöße wurden nicht mitgeteilt (Quellen: A.Franzen, Die Visitationsprotokolle.., S. 347–348 a.a.O.; Hüsgen: Das Zisterzienserinnenkloster Burbach, S.166 a.a.O. ; Hüsgen: Zisterzienserinnen in Köln, S.181 a.a.O.).


1574

Der Generalabt von Citeaux, Nikolaus Bourcherat (1571- 85), visitierte zwischen Juni – September 1574 ca. 50 Klöster in den Diözesen Köln und Lüttich. Er hatte im Sinne der tridentinischen Reformdekrete den Auftrag, alle Klöster wieder zu einer strengen Observanz zu verpflichten, Privateigentum abzuschaffen und alle der Häresie verdächtigen Personen oder Bücher aus den Klöstern zu entfernen (Quelle: Postina a.a.O., S. 225).
Er besuchte am 1.8.1574 das Kloster Burbach, in dem 8 Nonnen einschl. Äbtissin lebten. Der Visitationsbericht des Abtes enthält keine konkreten Angaben über den inneren Zustand des Konvents; der Abt fasste seine Auffassung pauschal zusammen, dass das Kloster nicht gut (im Sinne des Tridentinums) reformiert war:  „Hoc mon. non erat bene reformatum“ (Quelle: Postina S. 263, Nr. 37 Burbach, a.a.O.). Es wurde nicht mitgeteilt, welche Schlußfolgerungen gezogen bzw. welche Maßnahmen veranlaßt wurden.


1583

Im Truchsessischen Krieg gegen den zum Protestantismus übergetretenen Erzbischof Gebhard von Waldburg wurde das Kloster von bayerischen Truppen geplündert. Die Nonnen mußten in die Stadthäuser des Klosters nach Köln fliehen. Über die Dauer des Exils sind Nachrichten nicht überliefert. Ein monastisches Leben im Sinne des Trientiner Konzils war in dieser Zeit kaum möglich. Die Gebäudeschäden an der Klosteranlage dürften erst später behoben worden sein.


1584

Kamper Mönche und Äbte traten ab 1584 in Burbach – genauso wie in Mariengarten und Benden - in Erscheinung.

 

1598 - 1637
Die äußere Entwicklung des Klosters erlebte in der Regierungszeit der Äbtissin Elisabeth Pütz (1598-1637) wieder eine gewisse Blüte. Nach dem Nekrolog des Klosters ließ sie die Klosterkirche (neu) aufführen, drei Altäre und eine Orgel errichten (Quelle: Hüsgen, Das Zisterzienserinnenkloster Burbach, S. 155 a.a.O.). Ferner wurden neue Hofstellen in Brühl, Oedekoven, Bornheim, Brenig sowie ein Stadthaus am Rinkenpfuhl in Köln erworben. Größere Einnahmen verzeichnete das Kloster z.B. durch den Verkauf von Buschgelände in Brühl an die Karthäuser.
Über die innere Entwicklung des Klosters ist zwar nichts bekannt, jedoch unterlag das religiöse Leben den vom Trientiner Konzil ausgegangenen Reformbestrebungen. Insbeondere betrieb der Kölner Erzbischof und Kurfürst Ferdinand von Bayern (1612-50) in der Zeit der Gegenreformation eine Reformpolitik im Sinne des Konzils.
Die Bewohner der Ortschaften Burbach und Berrenrath, die zum Pfarrbezirk Gleuel gehörten, benutzten meist die Klosterkirche zum Besuch des Gottesdienstes. Im Jahre 1623 wurde in Berrenrath an Stelle der Wendelin-Bildsäule mit bischöflicher Erlaubnis eine Kapelle für den Gottesdienst der Bevölkerung errichtet und in das Kloster inkorporiert (Keimzelle der späteren Pfarrkirche Berrenrath).

1639 – 43

Es bestanden aufgrund der Kriegsereignisse finanzielle Probleme, denn der Konvent mußte sich verschulden. Der Burbacher Hof in Köln wurde zweimal mit Hypotheken belastet und fiel an die Gläubiger. Der Wiedererwerb erfolgte erst im Jahre 1669.

 

1643 – 46

Der 30-jährige Krieg führte 1643 - 46 zu einen 3-jährigen Zwangsaufenthalt des Konvents in ihren Kölner Stadthäusern. Es ergaben sich aufgrund der Kriegsereignisse finanzielle Probleme, denn der Konvent mußte sich infolge ausgebliebener Renten und Pachtzahlungen verschulden. Der Burbacher Hof in Köln wurde zweimal mit Hypotheken belastet und fiel an die Gläubiger. Der Wiedererwerb erfolgte erst im Jahre 1669.
Burbach hatte 14 Nonnen; diese Zahl blieb bis 1750 konstant.

1656
Der Beichtvater des Klosters Theodor Seegers (1652-59) schrieb den Nekrolog mit den Namen der Verstorbenen, für die ein Totengedenken als Gegenleistung für eine Memorienstiftung zu halten war. Der Nekrolog, dem ältere Aufzeichnungen aus früheren Jahren (1496) zugrundelagen, enthält zur Geschichte des Konvents aufschlußreich Angaben mit Namenslisten über Nonnen und Äbtissinnen, Altarweihen, Kirchenausstattungen u.a. (Quelle: Hüsgen: Nekrolog des Klosters Burbach).

1662

Die Konsekrierung von 4 neuen Altären läßt vermuten, dass Kriegseinwirkungen überwunden waren und vermutlich eine Barockisierung der Klosterkirche erfolgte. Der Hochaltar war dem Kirchenpatron Dionysius mit Gefährten, Johannes Bapt. und Ursula mit Gefährtinnen geweiht. Das noch erhaltene Ursula-Fries einer Altarpedrella (heute in Hürth-Berrenrath) gehörte zu diesem Altar.


1700

Die Kirche wurde kurz vorher oder nachher durch einen Brand beschädigt. Unter der Äbtissin Anna Margaretha Cönens (1702–10) wurde die Kirche mit Chor und Turm neu aufgebaut. Nähere Einzelheiten sind nicht überliefert.

1727
In der Zeit der Äbtissin Anna Gertrud Isenkrott (1717 – 40) wurde 1727 das heute noch vorhandene Äbtissinnenhaus (später Forsthaus) errichtet (vgl. Lageplan in Abb.1).

 

1731
Das Kloster verkaufte dem Kölner Erzbischof Clemens August Klosterbesitz in Brühl; dort ließ der Eerzbischof die Hubertusburg errichten.
 

1750

Die Stärke des Konvents lag bei 15 Nonnen.

 

1763
Der dem Kloster gehörende Landbesitz um Berrenrath war überwiegend an die Bewohner des Ortes  für kleinbäuerliche Landwirtschaften verpachtet.
Der Stumbshof bei Burbach mit 245 Morgen Land wurde aus “notdringender Ursache” (offenbar eine Folge des 7-jährigen Krieges) parzelliert und an Bewohner der Ortschaft Berrenrath und Burbach neu verpachtet (Quelle: Hüsgen, Das Z-Kloster Burbach, S. 161 a.a.O.).
Vermutlich gab deshalb die Äbtissin Anna Gertrud Dautzenberg im Hauptbuch des Klosters eine Übersicht über den Bestand an Liegendschaften und die Einkünfte an Geld, Naturalien und Holzeinschlag. Zum Klosterbesitz gehörten Güter in Berrenrath, Berzdorf, Brühl, Frechen, Königsdorf, Erp, Hürth, Gymnich, Köln, Oedekoven, Kessenich, Bornheim und Brenig mit insgesamt mehr als 1400 Morgen Land.
 

1782

Das Kloster verpachtete die Mühle an die Familie Füngerling.

 

1795- 1802

Die Besetzung des linken Rheingebietes durch französische Revolutionstruppen sowie die Abtretung dieses Gebiets an Frankreich (1801 Lunéville) hatten eine Organisation des öffentlichen Lebens nach französischem Muster, die Beseitigung der kirchlichen Selbstverwaltung und Rechtsprechung sowie die Enteignung des geistlichen Besitzes durch den Staat zur Folge; insbesondere war die Steuerbelastung erdrückend. Bei der Aufhebung 1802 lebten noch 8 Nonnen, davon 1 Laienschwester, im Kloster.


Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 21.01.2016