Bersenbrück

Gründungszeit

Bild 3. Torhaus des Klosters, Wahrzeichen der Stadt Bersenbrück

Im Gebiet des Hochstifts Osnabrück konkurrierten im 12. und 13. Jahrhundert der Bischof von Osnabrück und die Grafenhäuser Tecklenburg und Ravensberg um den Ausbau ihrer territorialen Machtpositionen. Die Landesherrschaft über Bersenbrück wechselte infolge von Fehden mehrfach zwischen den Tecklenburger und Ravensberger Grafen. Bersenbrück stand seit 1202 unter der Herrschaft des Grafen Otto II. von Tecklenburg (+ 1263), der nach dem Sturz Heinrichs der Löwe auch in den Besitz der Kirchenvogtei des Bistums Osnabrück (von 1180 bis 1236) kam. Im Jahre 1225/26 eskalierten die Auseinandersetzungen erneut, weil Graf Otto von Tecklenburg in den Mord des Kölner Erzbischofs verstrickt gewesen soll und deshalb geächtet wurde.
In erster Linie ging es aber wohl dem Osnabrücker Bischof um die Rückgewinnung der Kirchenvogtei bzw. die Festigung seiner Machtstellung als Landesherr. Der Dauerkonflikt über die Vorherrschaft im Osnabrücker Land endete damit, dass Otto II. von Tecklenburg seine Vogteirechte über Osnabrück und die Burg Iburg dem Osnabrücker Fürstbischof zurückgeben mußte. Im Friedensvertrag von Glandorf (1231) verzichteten Otto und sein Bruder Ludwig auf alle Ansprüche über die Güter in Bersenbrück zugunsten des Ravensberger Rivalen.
Noch im gleichen Jahr stifteten Graf Otto von Ravensberg und seine Ehefrau Sophia den zurückerhaltenen Besitz in Bersenbrück zur Gründung eines Frauenklosters der Zisterzienser. Möglicherweise sollte die Klosterstiftung zur Sicherung eines dauerhaften Friedens führen. Mittelbar dürfte die Stiftung zu einer politischen Neutralisierung des umstrittenen Gebietes an der Hase-Furt beigetragen haben. Der Ravensberger Graf behielt eine gewisse Verfügungsgewalt bzw. die Schirmherrschaft über die dem Kloster übertragene curia, da er der Äbtissin zusicherte, nichts von dem Besitz zu verkaufen oder zu verlehnen. Ein Zeichen der Aussöhnung war die Heirat zwischen dem Sohn Heinrich des Grafen Otto von Tecklenburg und der Erbtochter Jutta von Ravensberg (1238). 
Das Kloster wurde in der Folgezeit nicht nur durch die gräflichen Familien, sondern auch durch die Bischöfe von Osnabrück und Münster und ihre im Stiftsgebiet ansässigen Ministerialen gefördert. Jutta von Ravensberg verkaufte 1252 nach dem Tod ihres Mannes Landgebiete im Emsland an den Bischof von Münster, wodurch das Niederstift Münster entstand und ein Teil der Ministerialen in den Dienst des Bischofs von Münster kam. Der Einfluß sowohl der Ravensberger Stifterfamilie als auch der Tecklenburger Grafen auf das Kloster Bersenbrück ging nach dem Aussterben der Mannesstämme beider Geschlechter bis zur Mitte des 14.Jahrhunderts verloren.

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 21.01.2016