Bersenbrück

Zeit bis zur Aufhebung

 Dormitorium
Bild 4: Dormitorium

1231

Graf Otto II. von Ravensberg (1200-1244) und seine Gemahlin Sophia von Oldenburg-Wildeshausen stifteten ihre Besitzungen in Bersenbrück (Grundbesitz mit Eigenkirche, Mühle, Fischereirechte im Hase-Fluß) zur Errichtung eines Zisterzienserinnenklosters (Gründungsurkunde im zweiten Band des Osnabrücker Urkundenbuches).
Der Osnabrücker Fürstbischof Konrad von Velber bestätigte die Gründung sowie das mit der Stiftung verbundene Patronatsrecht über die Kirche von Bersenbrück, das der Äbtissin das Recht zur Bestimmung des Pfarrers gab. In der Gründungszeit des Klosters stammten die Nonnen überwiegend aus Familien des niederen Adels im Dienste des Fürstbischofs.


1233 – 34

Zahlreiche Schenkungen des Klerus und Adels ermöglichten ein ungehindertes Aufblühen des Klosters, insbesondere war die Familie der "Edelherren von Holte" dem Kloster sehr verbunden, die dem Konvent u.a. das Patronatsrecht der Kirche zu Westernstede übertrug (Bestätigung durch den Kölner Erzbischof 1249 und durch Bischof und Kapitel zu Osnabrück 1272). Das Patronatsrecht wurde noch 1613 ausgeübt.
Die erste Äbtissin des Klosters, Clementina, war vermutlich eine Schwester des Bischofs Ludolf von Holte (1226 -1247).

 

1236 – 37

Der Osnabrücker Bischof Konrad und Papst Gregor IX. bestätigten den kirchlichen Schutz des Klosters (allgemeines Schutzprivileg).


1243

Papst Innozenz IV. erteilte dem Kloster das Ordensprivileg der Zisterzienser (privilegium commune). Außerdem weist eine Reihe weiterer Fakten auf die Zugehörigkeit des Klosters zum Orden der Zisterzienser hin: Abt Giselbert von Kamp ist 1277 als Visitator in Bersenbrück bei der Aufhebung des Bersenbrücker Sendgerichtes nachgewiesen; nach der Kamper Chronik zählte das Kloster mit 50 Monialen zur Abtei Kamp; der Kamper Abt beurkundete 1334 einem Gütertausch und wurde 1376 angewiesen, die Beichtväter aus seinem oder aus einem anderen Kloster für Bersenbrück zu bestimmen; das Amt des Propstes konnte nur mit Zustimmung des Kamper Abtes besetzt werden; Bersenbrück wird im Stammbaum des Klosters Kamp aufgeführt; das Kloster Kamp bzw. Marienfeld seit 1475 stellte die Beichtväter für Bersenbrück.
Jedoch hatte Bersenbrück vermutlich nicht den Status eines inkorporierten Klosters und war auch nicht aus der Jurisdiktion des Bischofs von Osnabrück entlassen.


1251

Wegen der Pfarrpfründe der Kirche in Westernstede kam es zum Streit zwischen dem Kloster, dem Grafen von Oldenburg und den Nacherben aus dem Hause „von Holte“, da die Grafen von Oldenburg das Kollationsrecht zur Besetzung der Pfarrstelle für sich beanspruchten. Der Streit wurde beigelegt, nachdem die Grafen das Patronatsrecht des Klosters an der Kirche in Westernstede und damit das Kollationsrecht des Klosters anerkannten.

1252 – 87
Die ersten Klostergebäude wurden bei einem Brand Ostern 1252 zerstört; Ursache war vermutlich eine Fehde um Besitzansprüche auf Klostergüter. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde 1264 an der Südseite der Kirche eine separate Klosterkirche angebaut, so dass zwei getrennte Kirchenräume entstanden. Die neue Klosterkirche umfasste zunächst die ersten beiden Joche des heutigen rechten Kirchenschiffes. Die Bauarbeiten verzögerten sich wegen eines zweiten Brandes im Jahre 1271, so dass der Neubau erst am 6. Mai 1287 geweiht wurde. Außerdem wurde 1269 der Grundstein für das Dormitorium gelegt.


1270

Nach dem Tod des Grafen Otto von Ravensberg konnte der Bischof von Osnabrück Konrad II. von Rietberg (1270 - 97) seinen Einfluss auf Bersenbrück verstärken. In seiner Amtszeit fand der Konvent wieder viele Förderer unter den Ministerialen der Osnabrücker Kirche.


1277
Erstmals wurde 1277 der Abt von Kamp als Visitator des Klosters Bersenbrück urkundlich im Zusammenhang mit der Auflösung des Bersenbrücker Sendgerichtes erwähnt, dessen Versammlungen das klösterliche Leben störten. Bis dahin lag vermutlich die Seelsorge für die Nonnen in der Hand des Archidiakons von Ankum (Mutterkirche für das Kirchspiel Bersenbrück).
Das Kloster war eines der reichsten Zisterzienserinnenklöster Westfalens, in dem um 1280 bereits 50 Nonnen lebten (Quelle: Keussen, Kamper Chronik, S. 301 a.a.O.).
Das Kloster war durch beträchtlichen Grundbesitz, Stiftungen oder Vogtei- bzw. Zehntrechte zu Wohlstand gekommen. Es ließ den Lauf des Hase-Flusses im späten 13. Jahrhundert für den Betrieb einer neuen Wassermühle in die unmittelbare Nähe des Klosters verlegen.
Papst Martin IV. bestätigte dem Kloster am 18. 6. 1281 alle von seinen Vorgängern gewährten Privilegien.

1286
Der Konvent erwarb mit dem Kauf einer „curia“ in Rüsfort auch das damit verbundene Patronat über die Kirche von Gehrde (Nachbargemeinde von Bersenbrück).

1320
Das Patronatsrecht an der Kirche in Bersenbrück wurde nochmals bestätigt.

 

1354
Der Konvent erneuerte das Versprechen, ohne Erlaubnis des Abtes von Kamp einen neuen Propst weder zu wählen noch zu postulieren. Der Propst bzw. auch verschiedene Konversen hatten in der Anfangszeit des Klosters wegen des Umfangs der Güterverwaltung eine exponierte Stellung; er beurkundete in der Rangfolge nach der Äbtissin verschiedene Urkunden bzw. vertrat bei vielen Rechtsgeschäften (meist Güterübertragungen) das Kloster.  

Im 14.Jh. erhielt die Klosterkirche ihr drittes Joch (Westjoch), so dass nun beide Kirchen gleich lang, aber bis 1495 noch mit eigenen Giebeldächern ausgestattet waren.


1478

Es fand ein Wechsel der Paternität statt. Die bisherige geistliche Betreuung des Klosters durch den Abt von Kamp ging auf Veranlassung des Abtes von Altenberg und mit Unterstützung des Grafen von der Mark auf das Kloster Marienfeld (Abt Arnold 1443 -78) über (Quelle: Germania sacra a.a.O. Nr. 11, S. 178). Der Abt von Kamp soll wegen der großen Entfernung zwischen Kamp und Bersenbrück resigniert haben.


1484

Eine religiöse Erneuerung des Klosters Bersenbrück unter der Äbtissin Gertrud v. Langhals (1468-1502) fand vermutlich nach dem Vorbild der Bursfelder Reform etwa 1484 durch den Abt Johannes Wineken des Klosters Marienfeld statt (1478–95).
Nach dem Ende des abendländischen Schismas unterstützten die Osnabrücker Bischöfe Konrad von Diepholz (1455-82) und Konrad IV. von Rietberg (1482-1508) die damalige Reformbewegung und strebten den Anschluß aller Klöster des Hochstifts an die Bursfelder Kongregation an. Diese Vereininigung von vorwiegend west- und mitteldeutschen Benediktinerklöstern wollte die Beachtung der benediktinischen Ordensregeln wieder zur vollen Geltung bringen. Wesentliche Voraussetzung für den Anschluß war aber der Verzicht auf das Adelsprivileg.

1495
Um 1495 wurde ein gemeinsames Satteldach über beide Kirchen errichtet. Aus dieser Zeit stammen Reliquienschreine (Raritäten mittelalterlicher sakraler Kunst aus Seide und Edelsteinen als Mittel der Meditation; heute im Museum des Klosters Bentlage).

1510 - 11
Unter der Äbtissin Margarete von Byenckhoff (1503-1542) wurden umfangreiche Bauarbeiten ausgeführt. Man verlängerte die Klosterkirche um ein Westjoch. Die zwei ursprünglich nebeneinander gebauten Kirchen erhielten ein gemeinsames Satteldach. Ein neuer Kirchturm wurde errichtet. Die Klosterkirche erhielt ein neues, spätgotisches Chorgestühl aus mindestens 32 Sitzen für die Nonnen, einem Vierersitz für Priester und Provisoren sowie dem Äbtissinnen-Stuhl.

1542
In der Regierungszeit der Äbtissin Margarethe von Byenckhoff hielt das Kloster trotz der Ausbreitung der Reformation an den Reformideen von Bursfelde fest.

1543
Im Hochstift Osnabrück breitete sich die Reformation etwa seit 1543 aus, nachdem Bischof Franz von Waldeck sich dem protestantischen Lager im Schmalkaldischer Bund anschloß (ein Verteidigungsbündnis protestantischer Fürsten und Städte, die ihre Eingenständigkeit durch die Religionspolitik des Kaisers Karl V. bedroht sahen, als der Kaiser versuchte, die Glaubensspaltung gewaltsam zu überwinden).
 
1555 - 95
Nach dem Augsburger Religionsfrieden blieb der Konvent in der Wahl der Konfession uneins und entwickelte sich unter der Herrschaft protestantischer Fürstbischöfe und vermutlich auch unter dem Einfluss der Familien der protestantisch gesinnten Klosterfrauen allmählich zu einem Damenstift.
Die Äbtissin Adelheid v. Langen (1542 - 95) konnte in ihrer über 50-jährigen Amtszeit die Entwicklung des Klosters zum Damenstift nicht aufhalten, so dass sie vermutlich auch aus Altersgründen resignierte bzw. abgewählt wurde.
Die im Jahre 1571 eingeleitete Gegenreformation durch Johann Graf v. Hoya, Fürstbischof von Osnabrück (1553 –74) hatte keinen dauerhaften Erfolg, da zwischen 1574 und 1623 das Hochstift Osnabrück von protestantischen Fürstbischöfen regiert wurde. Wieviele Klosterfrauen in dieser Zeit protestantisch gesinnt waren, ist nicht näher bekannt.
Die Religionswirren wurden zwischen 1575 und 1600 außerdem durch Notzeiten im Hochstift Osnabrück infolge mehrerer Pest- und Pockenepedemien, Missernten und Hungersnöte sowie durch Hexenverfolgungen als Folge dieser Ereignisse überlagert.
 
1595 – 1614
Ende des 16. Jahrhunderts setzte sich im Konvent allmählich reformatorisches Gedankengut durch, so dass unter der Äbtissin Margarethe von Meverden (1595-1614) sich fast alle Nonnen zur lutherischen Lehre bekannten und in einer Resolution von 1602 dem Abt von Marienfeld den Gehorsam (1602) verweigerten. Mehrere Nonnen verließen das Kloster und heirateten. Die katholisch gebliebenen Nonnen wechselten insbesondere zum Kloster Rengering. Die in Bersenbrück zurückgebliebenen Nonnen
(5 oder 6) führten das Leben weltlicher Stiftsdamen.
Mit diesen Vorgängen stand vermutlich 1603 oder 1604 die Visitation eines Ordensgenerals im Zusammenhang. Der Abt von Marienfeld berichte im Jahre 1614, dass „vor zehn oder elf jahren unseres heyligen ordens haupter aus frankreich dieser örter gewesen und visitiert“ (Quelle: Germania Sacra a.a.O., §25, Confessare in Bersenbrück, S.179 a.a.O.).
 
1609 - 14
Streit und Misswirtschaft ließen den Konvent schrumpfen. 1609 kam nach 15 Jahren wieder ein Beichtvater (Pater Severinus Raeckmann) aus Marienfeld nach Bersenbrück, der im Auftrag des Abtes nach Möglichkeiten einer Rekatholisierung suchen sollte. Eine bischöfliche Visitations-Kommission, welche die desolaten Zustände im Kloster der Äbtissin Margarethe von Meverden zuschrieb, setzte die Äbtissin ab, die im September 1614 das Kloster verließ.
Im Jahre 1614 gelang die Rekatholisierung des Klosters mit Hilfe von drei katholisch gebliebenen Nonnen. Eine davon war die neue Äbtissin Lucretia Elisabeth von Vincke, die den Landesherrn ersucht hatte, katholisch und im Kloster bleiben zu dürfen. Die letzten evangelischen Nonnen mußten das Kloster verlassen. Die katholisch gebliebenen früheren Nonnen kehrten aus Rengering zurück und wurden durch Nonnen aus dem Kloster Kentrop (Hamm) verstärkt, so dass der Bersenbrücker Konvent lebensfähig blieb. Die geistige Erneuerung führte auch zur Einrichtung eines Schulbetriebes.
 
1618 – 48
Im 30-jährigen Krieg hatte das Kloster vielfache Plünderungen, Einquartierungen und Kontributionen von allen Kriegsparteien zu ertragen. Schwedische und hessische Landsknechte plünderten z.B. 1637 die Klosterkirche. Dreimal musste der Konvent aus Sicherheitsgründen das Kloster für kurze Zeit verlassen.
 
1650
Das Hochstift Osnabrück bekam als Folge des Westfälischen Friedens eine neue Verfassung, nach der abwechselnd ein vom Domkapitel gewählter katholischer Fürstbischof und darauf ein evangelischer Prinz aus dem Welfenhaus Braunschweig - Lüneburg als Bischof regierte. Außerdem wurde das Jahr 1624 aufgrund des Vorschlages des kaiserlichen Gesandten Volmar zum Normaljahr erklärt mit der Folge, dass eine Pfarre oder ein Kloster die Konfession behielt, die 1624 bestand (Volmarscher Durchschlag). Papst Innozenz X. (1644-55) protestierte zwar gegen diese Bestimmungen, doch sein Protest hatte keine Wirkung. 1624 waren Kloster und zugehörige Kirche katholisch.
Es regierten:
Ernst August I. von Braunschweig-Lüneburg 1661-1698 (nur weltlich)
Karl Joseph von Lothringen 1698-1715
Ernst August II. von Hannover 1716-1728 (nur weltlich)
Klemens August von Bayern 1725-1761
Friedrich Herzog von York (Sohn des engl.Königs) 1763-1803 (nur weltlich)
(Ein Bruder des protestantische Bischofs Ernst August II. war König Georg I. von England.)
 
1682
Nach dem 30-Jährigen Krieg blühte das Kloster wirtschaftlich wieder auf. In der 2.Hälfte des 17.Jhs. wurde unter der Äbtissin Anna von Stein (1670 – 84) die Klosterkirche barockisiert und der Neubau des Äbtissinenhauses in seiner heutigen Gestalt begonnen.
 
1699
Errichtung des Torhauses mit Wappen der Äbtissin Maria Catharine von Nyvenheim (1697-1720)
 
1749
Ein tragischer Vorfall ereignete sich durch einen Blitzschlag. Der Blitz schlug in den Dachreiter ein, zerstörte den Tabernakel der Klosterkirche und tötete eine Nonne beim Chorgebet.
 
1774
Die Vorgeschichte der Aufhebung begann damit, dass im Fürstbistum Osnabrück das Geld fehlte, um die schlechte finanzielle Bezahlung der Lehrer an kath. Landschulen zu verbessern und auch in protestantischen Gemeinden eine Kirche für Katholiken zu bauen, soweit sie dort in der Überzahl lebten. Darum wurde erwogen, eines der vielen Frauenklöster im Fürstbistum aufzuheben. Bersenbrück wurde hierzu ausersehen, weil es reiche Einkünfte hatte und sich die Schulden für den Klosterneubau leicht als Begründung heranziehen ließen. Bis 1786 ruhte die schwebende Frage.
 
1781 – 83
Die Äbtissin Maria Dorothea von Bothmer (1781-87) konnte ungehindert die infolge des siebenjährigen Krieges aufgeschobenen Baumaßnahmen zur Beseitigung des schlechten Zustands der Klostergebäude einleiten. West- und Südflügel der Klostergebäude wurden nach Plänen ihrer Vorgängerin Äbtissin Catharina von Hane (1755-1781) neu errichtet.
Außerdem wurden bis 1787 beide Kirchenschiffe nach Beseitigung der Krypta unter der Klosterkirche auf ein Niveau gebracht. Die Trennwand wurde beseitigt, so daß ein
einheitlicher Gesamteindruck der beiden Kirchenschiffe entstand. Der Fußboden der Klosterkirche lag ursprünglich 1,40 m wegen der darunter liegenden Krypta höher lag als der Boden der Pfarrkirche.
Die aufgenommenen Baudarlehen wurden später als Vorwand zur Auflösung des Klosters benutzt.
Redakteur: H. Dickmann - Aktualisierung: 21.01.2016