Bersenbrück

1231 – 1786

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Bild 1: Klosteranlage

Lage des Klosters

Bersenbrück

 

Erhaltenes Erbe

Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster St. Marien zu Bersenbrück blieb trotz vieler Gebäudeveränderungen als Klosteranlage erhalten. Eine zisterziensische Architektur ist auf den ersten Blick nicht erkennbar, denn ursprünglich standen zwei Kirchen nebeneinander.

Der wuchtige Turm wurde erst 1510 gebaut, und mehrere Gebäudeflügel entstammen dem 17. bzw. 18. Jahrhundert. Nur der Ostflügel ist in der ursprünglichen Bauform des 13. Jhs. erhalten. Die um 1700 neu errichtete Klosterpforte ist heute das Wahrzeichen der Stadt Bersenbrück.

 

Kurzgeschichte

Graf Otto von Ravensberg und seine Frau Sophia stifteten 1231 das Kloster Bersenbrück und statteten es mit ihren Gütern in Bersenbrück nebst zugehöriger Mühle, Fischereirechten, Eigenhörigen und einer Eigenkirche aus, so dass das Kloster eine gesicherte Existenzgrundlage hatte. Nach dem Wunsch der Stifter sollte das Kloster dem Andenken der Stifter und dem ihrer Eltern dienen. Außerdem war das Kloster die Begräbnisstätte für die Stifterfamilie.
Das Kloster Bersenbrück folgte den zisterziensischen Gebräuchen und Ordensstatuten. Die Zugehörigkeit zum Orden der Zisterzienser war durch bischöfliche und päpstliche Schutzurkunden, insbesondere durch die Erteilung des päpstliche Zisterzienserprivilegs (1243) anerkannt; jedoch läßt sich wegen fehlender Nachrichten nicht belegen, ob das Kloster offiziell dem Orden inkorporiert war.
Das Kloster wurde durch die Grafengeschlechter von Ravensberg, von Oldenburg und von Tecklenburg sowie durch die Bischöfe von Osnabrück und Münster und ihren jeweiligen Ministerialen unterstützt. Es wurde im 13. und 14.Jh. Jahrhundert wohlhabend durch den Erwerb ausgedehnter Güter in der Umgebung von Bersenbrück, durch großzügige Memorienstiftungen und Schenkungen z.B. von Grundbesitz, Vogteirechten und Zehntrechten oder durch die Ausstattung der Nonnen bei ihrer Aufnahme in das Kloster mit Vermögenswerten, die dem Kloster anheimfielen. Das Kloster erlebte im Laufe seiner Geschichte aber auch Brände, innere Krisen, Plünderungen und Reformen.
Im Hochstift Osnabrück breitete sich die Reformation seit etwa 1543 aus, insbesondere seitdem Bischof Franz von Waldeck aus machtpolitischen Gründen sich dem protestantischen Lager (Schmalkaldischer Bund) anschloß. Die konfessionellen Verhältnisse blieben bis zum Westfälischen Frieden (1648) ungeklärt, weil mehrere Fürstbischöfe ab 1543 bis 1623 die neue Lehre tolerierten bzw. selbst protestantisch wurden. Dies führte dazu, dass katholische Nonnen mit protestantisch gesinnten Nonnen im Bersenbrücker Konvent zusammenlebten.
Eine Folge der Reformation war, dass das Kloster sich unter den protestantischen Fürstbischöfen ab 1574 zum adligen Damenstift wandelte. Die Entwicklung erreichte 1595 ihren Höhepunkt durch die Wahl einer neuen, jedoch protestantischen Äbtissin, und führte weiter dazu, dass 1602 sich der Konvent offen zum Protestantismus bekannte. Das Kloster konnte 1614 im Zuge der Gegenreformation rekatholisiert werden.

Erst in der „Immerwährenden Kapitulation“ des Westfälischen Friedens wurde 1650 die Bikonfessionalität im Hochstift Osnabrück reichsrechtlich anerkannt mit dem Ergebnis, dass die Landesherrschaft abwechselnd von einem katholischen und danach von einem evangelischen Fürstbischof bzw. umgekehrt ausgeübt werden müßte (der katholische Bischof wurde vom Domkapitel gewählt, der protestantische kam stets aus dem in Hannover regierenden lutherischen Welfenhaus).  Die Konfessionsfrage des Klosters regelte sich nach den Verhältnissen von 1624 (sog. „Normaljahr oder Volmar'scher Durchschlag). Da das Kloster 1624 katholisch war, blieb es als katholische Institution bis zur Auflösung im Jahre 1787 bestehen. Nach dem 7-jährigen Krieg erlebte das Kloster nochmals eine Blütezeit, als die Klosterkirche barockisiert und West- und Südflügel der Klostergebäude neu errichtet wurden. Die schlechte Finanzlage des Hochstiftes Osnabrück trug entscheidend zur Aufhebung des Klosters bei; auf Verlangen des Osnabrücker Domkapitels wurde das Kloster 1787 aufgehoben, um mit dem Klostervermögen das katholische Schulwesen des Bistums Osnabrück fördern zu können.

Das durch die Säkularisation an den Staat gefallene Klostervermögen wird noch heute durch die „Klosterkammer Hannover“ verwaltet.

 

Nutzung

In den früheren Klostergebäuden sind das Amtsgericht der Samtgemeinde Bersenbrück und das Museum des Landkreises Osnabrück untergebracht; bis in die 1970-er Jahre war im Dormitorium auch eine Jugendherberge eingerichtet.


Beachtenswertes

Der noch weitgehend erhaltene Klosterkomplex ist sehenswert.
Beachtenswerte Einzelstücke der Kirchenausstattung sind erhalten z.B.:

  1. Taufstein (13. Jh.)
  2. spätgotisches Sakramentshäuschen und Chorgestühl
  3. sog. „Krippchen“ (Altarretabel aus Sandstein, etwa 1415, mit Darstellungen aus der Weihnachtsgeschichte
  4. Schmerzensmann (Sandsteinfigur 16. Jh.)
  5. Reliquienschreine aus Seide und Edelsteinen,
    die im Museum des Klosters Bentlage gezeigt werden 

Verzeichnis der Konventualinnen, Äbtissinnen

vgl. Literatur:  zu Höhne, Otto: Das ehemalige adelige Zisterzienserinnen-Kloster St. Marien zu Bersenbrück, Wenner, 1978

 

Kontakt – Infos

 

1) Kath.Pfarramt St. Vincentius, Bersenbrück, 49593 Bersenbrück, Stiftshof 3
Telefon 054 39/930 29 Email: st.vincentius-bsb@kg.bistum-os.de
2) Heimatverein Bersenbrück e.V.

 

WEB-Links

1) Wikipedia: Kloster Bersenbrück

2) Geschichte der Stadt und des Stifts Osnabrück


 

Redakteur: H. Dickmann - Aktualisierung: 21.01.2016