Benninghausen

Gründungszeit

Die Herren von Erwitte zählten zu den führenden Adelsgeschlechtern im Herzogtum Westfalen. In der ersten Hälfte des 13.Jhs. wurden etwa zeitgleich mehrere Edelherren (Boymundus, Rudolf, Richwin, Gottschalk, Everhard, Johann) urkundlich genannt; ihre verwandtschaftlichen Beziehungen lassen sich zwar nicht mehr in allen Einzelheiten feststellen, doch dürften sie Brüder gewesen sein. Alle traten stets als Ministeriale oder Untervögte der Grafen von Arnsberg, aber auch der Kölner Erzbischöfe, in Erscheinung und förderten verschiedene Klöster.
Der Kölner Erzbischof Engelbert I. bestätigte 1223, dass der Graf von Arnsberg sowie die Gebrüder von Erwitte (Boymundus, Rudolf und Gottschalk: in Eruete milites fratres) dem Kloster Oelinghausen die Höfe Holthusen und Driesberg vermachten (Quelle: Seibertz I Nr. 173 a.a.O.).
    Ritter Richwin von Erwitte besaß das Amt des Marschalls 1217-20 und 1227-30 und vertrat damit den Erzbischof in seiner Stellung als Landesherr des Herzogtums Westfalen.
    Ritter Rudolf von Erwitte wurde 1225 als Gerichtsherr von „volckelinchusen“ (Völlinghausen bei Erwitte) erwähnt; er führte den Vorsitz, als Dietrich von Bilstein vor dem Freigericht sein Allod Seringhausen dem Erzbischof übertrug (Quelle: Seibertz I, Nr. 177 a.a.O.: „Rudolfo milite de Erwitte auctoritate regio banno in volkelinchusen presidente“). Rudolf wurde 1231 als Ministerial des Grafen von Arnsberg erwähnt, der ein Gut in Elern, das Rudolf von ihm als Lehen besaß, dem Kloster Hardehausen schenkte (Quelle: s.Fußnote, dort Seite 86 a.a.O.); außerdem war Rudolf Zeuge, als Everhard von Erwitte 1244 auf alle Arnsberger Lehen an verschiedenen Orten verzichtete.
    Ritter Everhard von Erwitte übereignete 1239 mit Zustimmung seiner Tochter Sirade dem Abt von Liesborn verschiedene Äcker zum Wiederaufbau der abgebrannten Klostermühle an der Lippe in der Bauerschaft Göttingen (gegenüber Benninghausen). Everhard besaß diese Äcker als (After)lehen von den Edelherren Segebodo und Conrad von Itter; ferner gab er dem Abt noch Ländereien, welche sein Bruder Johann von Erwitte (consanguineus meus) vom Kloster Rasteder zuvor besaß (Quelle: Seibertz I Nr. 213 a.a.O.). Als Everhard von Erwitte, Ministerial des Grafen Godfried (von Arnsberg), 1244 in ein Kloster eintreten wollte, gab er dem Grafen, um aus der Ministerialität entlassen zu werden, alle von ihm erhaltenen und an verschiedenen Orten gelegenen Lehen zurück (Quelle: s. Fußnote, dort S. 92 a.a.O.).  Everhard besaß zur Zeit der Klostergründung die curia Osthof in Benninghausen als Afterlehen von den Edelherren von Itter; diese verkauften dem Kloster Benninghausen 1245 den Osthof Benninghausen und verzichteten 1247 gegenüber ihrem Lehnherrn, dem Grafen von Arnsberg, auf alle Ansprüche (Quelle: Seibertz I, Nrn. 240, 253).
    Ritter Gottschalk von Erwitte und sein Sohn Rudolf besaßen als Ministeriale der Grafen von Arnsberg zwischen 1217 – 82 die Vogtei über das Stift Geseke (Erwähnung als Vogt 1240 vgl. Seibertz I Nr. 217 a.a.O.). Ein Konflikt entstand 1258 mit der Äbtissin von Geseke, die dem Kloster Bredelar Land schenkte, das Gottschalk für sich beanspruchte und gewaltsam in Besitz nahm. Gottschalk mußte 1258 Verzicht auf verschiedene angemaßte Vogteirechte leisten, insbesondere auf den Fronhof in Geseke (Seibertz I Nr. 311 a.a.O.).

    Ritter Johann von Erwitte war 1226 ebenfalls (zeitlicher) Marschall im Herzogtum Westfalen und damit Stellvertreter des Landesherrn. Johann besaß in Benninghausen eine Eigenkirche aus dem 12. Jahrhundert mit Liegenschaften (darunter die curia Westhof) als Lehen des Klosters Rastede. Da Johann die Stiftungsgüter für das neue Kloster Benninghausen ohne Zustimmung des Lehnherrn übertrug, protestierte der Abt von Rastede gegen die Verletzung seiner Rechte. Die erste Äbtissin von Gevelsberg (Christina) und der Bischof von Osnabrück erreichten aber gemeinsam, dass der Abt seine Ansprüche gegen Zahlung von 50 Mark Silber dem Kloster Gevelsberg abtrat.

Die Eigenkirche wurde dem Kloster Benninghausen inkorporiert (allerdings wurde hierüber eine Urkunde erst 1482 ausgestellt , s. Schelhasse S.11) und diente sowohl den Nonnen als Klosterkirche, als auch den Bewohnern als Pfarrkirche. Die Äbtissin hatte das Voschlagsrecht für die Besetzung der Pfarrstelle sowie der Nebenaltäre (Nikolai- und Catharinenaltar).

Das Kloster Benninghausen erhielt im 13.Jahrhundert weiterhin wirtschaftliche Unterstützung durch die Stifterfamilie und durch die Grafen von Arnsberg, außerdem auch durch die in der Umgebung des Klosters lebenden Burgmänner und Ministerialen der Grafen  bzw. der Edelherren zur Lippe oder von Büren. Diesem Kreis dürften die zahlreichen Konventualinnen zuzuordnen sein.

Benninghausen wurde als Sühnekloster für die Ermordung des Kölner Erzbischofs Engelbert I. von Berg (+1225) in Gevelsberg bezeichnet, doch läßt sich ein Zusammenhang zwischen der Klostergründung und dem Attentat aus den Quellen nicht belegen. Nach der Übertragung der Fundationsgüter sind weitere Kontakte mit Gevelsberg nicht belegt. Wohl blieben die Beziehungen zum Kloster Rastede länger bestehen, das im 13.Jh. weitere Güter in Benninghausen dem Frauenkonvent übereignete und 1276 auf Ansprüche an den Gütern, auf denen das Kloster Benninghausen steht, unter der Bedingung verzichteten, dass die Nonnen ein Jahrgedächtnis für die Stifter von Rastede (Grafen von Oldenburg) zu feiern hätte (Quelle: Seibertz I, Nr. 371).



Fußnote: Archiv für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, herausgeg. von Dr. Paul Wigand, 6.Band, Lemgo 1834



 

 

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016