Benninghausen

Zeit bis zur Aufhebung

Benninghausen - Kirchengebäude innen
Bild 3: Abteikirche innen

1240

Ritter Johann von Erwitte und seine Ehefrau Hildegundis stifteten zu ihrem Seelenheil das Kloster Benninghausen. Sie übertrugen ihre Kirche mit allen Einkünften sowie ihre Liegenschaften in Benninghausen (darunter die curia Westhof, Äcker, Wälder, Weiden und Bewohner), die sie vom Benediktinerkloster Rastede als Lehen besaßen, dem Zisterzienserinnenkloster Gevelsberg mit der Maßgabe, in Benninghausen ein Kloster zu errichten (Quelle: Seibertz I Nr. 214 a.a.O.).
Der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden (1238-61) bestätigte 1240 die Stiftung, nachdem das Kloster Rastede auf seine Lehensrechte verzichtet hatte, und erteilte allen, die den Aufbau des Klosters Benninghausen durch Spenden fördern würden, einen Ablass (Quelle: Seibertz UB I, 218, 220 a.a.O.). Auf die Bitte des Erzbischofs um Aufname des Klosters Benninghausen in den Orden der Zisterzienser beauftragte das Generalkapitel 1244 die Äbte von Loccum und Bredelar, Benninghausen bei zufriedenstellendem Ortsbefund in den Orden aufzunehmen (Quelle: Germania Sacra 3.Folge 6, Bredelar, S. 61 a.a.O.). Ein erster Hinweis für die Unterstellung des Klosters unter die Aufsicht des Klosters Kamp war die Aufnahme des Frauenkonvents 1263 in die Gebetsbruderschaft des Klosters Kamp (Quelle: WUB 7, Nr. 1140 a.a.O.), auch wenn anfangs noch Mönche des Klosters Bredelar als Zeugen bei Rechtsgeschäften in Erscheinung traten.

 

1245

Bereits 1245 erwarb das Kloster den Osthof Benninghausen (Quelle: WUB 7 n. 589, 601, 638, 650 a.a.O.: die Edelherren von Itter verkauften ihr Lehen Osthof mit Zustimmung der Grafen von Arnsberg).
Der Ausbau der Klosteranlage mit Kirche, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden dauerte mehrere Jahrzehnte und wurde vorwiegend durch Spenden aus weiteren Ablässen finanziert, die der päpstliche Legat Hugo und die Bischöfe von Paderborn und Köln in den Jahren 1252, 1262 und 1264 erteilten (Quelle: WUB 7, Nr. 778, 1089 und 1154 a.a.O.). Das Kloster wurde 1262 noch als ein "armes Kloster" bezeichnet.
Es bestanden damals bereits Verbindungen zwischen Benninghausen und anderen Frauenklöstern, da die Äbtissin 1259 alle Wohltäter, die den Ausbau des Klosters Holthausen bei Büren finanziell fördern würden, in eine Gebetsgemeinschaft mit den Zisterzienserinnen der westfälischen Klöster Himmelpforten, Welver, Fröndenberg und Wormeln aufnahm.

1280

Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Klosters waren durch Grundbesitz und Ankauf einer Mühle (Quelle: LA-NRW Nr. 45 a.a.O.) ausreichend gefestigt, so dass um 1280 bereits insgesamt 50 Monialen zusammenlebten (Quelle: Kamper Chronik, S. 301 a.a.O. mit Angabe der Gesamtzahl aller Monialen, d.h. Professnonnen und Laienschwestern). Die Nonnen stammten vorwiegend aus den Familien des ansässigen Adels und seiner Burgmänner (z.B. Grafen von der Mark, von Arnsberg, von der Lippe, von Itter, von Rietberg, von Rudenberg, die Herren von Erwitte, von Büren, von Stormede, von Schorlemer, von Lon, von Wreden, von Plettenbracht u.a.) bzw. aus städtischen Patrizierfamilien der großen Städte wie Werl, Soest, Meschede oder Lippstadt. Eine Nonne mußte auch aufgenommen werden, wenn der Landesherr ihr aufgrund seines „Rechts der ersten Bitte“ eine Klosterpfründe verschaffen wollte (Quelle: Schelhasse, S. 45, 46 a.a.O. mit Fällen in den Jahren 1375 oder 1651).
Zu den Einnahme des Klosters zählten nicht nur die Memorienstiftungen zum Seelenheil der Stifter, sondern auch die Statutengelder, die bei der Aufnahme einer Novizin bezahlt werden mußten, sowie Schenkungen von bebauten bzw. unbebauten Grundbesitzungen oder Korn- bzw. Geldrenten als Mitgift für den Lebensunterhalt der Nonnen. Darüberhinaus kaufte bzw. verpachtete das Kloster eigenen Grundbesitz und war in den beiden ersten Jahrhunderten des Bestehens in der Lage, Kreditgeschäfte aus vorhandenen Kapitalien zu betreiben; sogar Anwartschaften für die Aufnahme von Novizinnen wurden verkauft.
Das Kloster hatte außerdem Einnahmen von sog. Provenaren (Kleriker oder Eheleute), die sich durch die Übertragung ihres ganzen Besitzes eine lebenslange Versorgung durch das Kloster sicherten (Quelle: Schelhasse S. 61 a.a.O. mit Bespielen in den Jahren 1325, 1473 oder 1532). Das Kloster erhielt auch großzügige Unterstützung durch adelige Familien, die ihre Kinder im Kloster erziehen ließen (Quelle: LA-NRW Nr. 77a).
Papst Honorius IV. erlaubte 1286 den Konventualinnen, ihre weltlichen Verwandten zu beerben. Der Kamper Abt Wilhelm bestätigte 1383 den Nonnen dieses Privileg nochmals (Quelle: Seibertz II, Nr. 866 a.a.O.).
Nonnen besaßen durchaus Privatvermögen, da es vorkam, dass einzelne Nonnen Schulden des Klosters beglichen oder Geld vorstreckten, weil das Kloster nicht bezahlen konnte, oder auch Renten kauften. Es läßt sich aber kaum noch klären, ob die Geschäfte einzelner Nonnen im Interesse des Konvents oder im privaten Interesse lagen.
Die weltlichen Angelegenheiten des Klosters und die Verwaltung des umfangreichen Besitzes lag über Jahrhunderte in den Händen von Procuratoren (meist Mönche des Klosters Kamp bzw. Marienfeld). Die Pfarrstelle wurde vom Kloster mitverwaltet, das auch für den Unterhalt des Pfarres aufkam (Quelle: Seibertz III, Nr. 528 a.a.O.: der Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg bestätigte 1309 die vom Kloster festgesetzten Bezüge in Naturalien und Geld für den Pfarrer der Kirche). Die Einkünfte aus der Pfarrstelle waren aber meist so gering, dass sie im Lauf der Zeit Anlaß zu mehrfachen Beschwerden gaben, da der Pfarrer die Kosten für einen Hilfsgeistlichen tragen mußte. Die Äbtissin konnte als Grundherrin über ihre leibeigenen Dienstleute frei verfügen.

 

1291 - 1330

Das Kloster Benninghausen durfte seit 1291 in den Steinbrüchen des Klosters Oelinghausen die Steine für den Kirchenbau Benninghausen brechen lassen (Quelle: WUB 7, 2205 a.a.O.: ad opus ecclesie sue in benekinchusen). Benninghausen erhielt 1329 nochmals finanzielle Unterstützung durch eine Sammelindulgenz von 12 Bischöfen (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nr. 178 a.a.O.) für alle, die dem Kloster u.a. durch Spenden für den Bau, die Beleuchtung und die sonstige Ausstattung helfen würden.
Die Wohnverhältnisse und Einkünfte des Klosters boten um 1330 die nötige Existenzgrundlage für die Aufnahme zusätzlicher Monialen; dem Kloster wurde nämlich über die festgelegte Zahl von insgesamt 50 Nonnen und Laienschwestern hinaus die Aufnahme weiterer „10 moniales oder conversas“ erlaubt (Quelle: Seibertz II Nr. 632 a.a.O. mit Fußnote).


Das Kloster Benninghausen bzw. seine Klosterhöfe wurden in der Zeit des Fehderechts auch Opfer von Überfällen und Plünderungen wie das benachbarte Kloster Welver (Quelle: Schelhasse S.41-42 a.a.O.). Der Kölner Erzbischof Wigbold von Holte wies 1301 daher den Scholaster der Stiftskirche und den Propst des Walburgisstiftes in Soest an, über alle, die sich an Gütern der Klöster Benninghausen und Welver vergriffen hatten, ggfls. den Kirchenbann zu verhängen (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nr. 86). Urkunden zwischen 1310–30 lassen erkennen, dass die von verschiedenen Edelleuten geltend gemachten Besitzansprüche an Klostergütern der Grund mancher Raubüberfälle war (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nrn. 107, 119, 120, 121). Dabei kam es auch zu Tätlichkeiten oder Gegenwehr der Konverserven: Ein Konverserve ertränkte einen Mann in der Lippe, dessen Erben auf eine Klage gegen das Kloster verzichteten, da es eine Präbende für die Tochter des Ermordeten zahlte. In einem anderen Fall erschlugen Konversen den Bruder der Knappen Bertram und Hermann von Zelynchusen; letztere verzichteten gegen eine Sühneleistung des Klosters auf weitere Klagen (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nr. 184, 198). Andere Streitereien, z.B. ein Streit zwischen den Herren von Büren und dem Kloster über Güter in Eickelborn, wurden durch Vergleich beigelegt (Quelle: Schelhasse, S. 104 a.a.O.).


1369

In einem Visitationsbericht von 1369 wurde die Zahl der Professnonnen mit 22 angegeben (ohne Äbtissin und Priorin), die bis 1509 praktisch unverändert blieb. Namentlich sind alle Nonnen bei Schelhasse aufgeführt (ebd. S. 53).


1444

In der Zeit der “Soester Fehde” (1444-49) zwischen dem Kölner Erzbischofs Dietrich II. von Moers (1414–63) und der Stadt Soest geriet Benninghausen in äußere Bedrängnisse, als Söldnertruppen des Erzbischofs zahlreiche Städte in der Soester Börde einnahmen und schließlich (erfolglos) Lippstadt und Soest belagerten. Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Klosters verschlechterten sich in dieser Zeit infolge der Verwüstung von Klosterhöfen und führten dazu, dass zwischen 1455 bis 1472 unter der Äbtissin von Rodenberg bereits mehrere Darlehen aufgenommen werden mußten bzw. die Priorin einen Schuldschein des Klosters einlöste und einen Klosterhof als Pfand erhielt.
Das regelmäßige Chorgebet, die meditativen Betrachtungen und Fürbitten für das Seelenheil der Stifter zahlreicher Memorien waren wesentlicher Inhalt des kontemplativen Klosterlebens. Im Laufe der Zeit traten jedoch Veränderungen des strengen Klausurlebens ein. Klösterliche Privilegien wurden oft nach außen als Verweltlichung und Regelverstöße angesehen, obwohl sie letztlich das Ergebnis einer jahrzehntelangen legitimen Lebensentfaltung des Klosters waren. Mit den Klosterreformen nach dem Konzil von Basel (1431–49) sollte wieder ein asketisches Leben der Klosterbewohner in Armut und Abgeschiedenheit von der Außenwelt erreicht werden. Über Reformbemühungen des Kamper Abtes in der ersten Hälfte des 15.Jhs. in Benninghausen sind Einzelheiten nicht bekannt. Eine Reform kam wohl erst 1477 nach dem Ende der Soester Fehde und nach längeren Widerständen der Nonnen zustande.


1473

Der Kamper Abt Heinrich von Ray legte 1473 Anteile einer Ordenssteuer (insgesamt 6000 Dukaten „zur Verteidigung der Rechte und Privilegien der Römischen Curie“) auf die ihm unterstehenden Klöster um. Die Steuer betrug je nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit der 14 Kamper Frauenklöster zwischen 1 und 4 rheinische Golddukaten. Benninghausen zählte zu den weniger bemittelten Klöstern, da es zur Zahlung von nur einem Dukaten veranschlagt wurde (Quelle: Binterim u. Mooren, Nr. 436 a.a.O.).


1477

Eine Klosterreform wurde 1477 am Fest "sanctorum quatuor coronatorum" (8.Nov.) durch den Kamper Abt Heinrich von Ray und mit Unterstützung der Edelherren zur Lippe durchgeführt. In Benninghausen zeigte sich ein ähnliches Bild wie etwa 5 Jahre später bei den Reformen in Welver und Holthausen. Es waren mehrere Nonnen mit der Reform nicht einverstanden, weil sie unter weniger strengen Voraussetzungen in das Kloster eingetreten waren und daher vermutlich ihre standesgemäße Lebensweise nicht aufgeben wollten bzw. den Verlust ihrer bisherigen Privilegien befürchteten. Sie verließen das Kloster und gingen eine Zeit lang in andere noch nicht reformierte Klöster oder blieben bei Eltern oder Freunden. Die Vorwürfe gegen diese Nonnen sind im Einzelnen nicht näher bekannt, jedoch dürften sie den allgemein erhobenen Vorwürfen entsprochen haben (nachlassende Umsetzung der asketischen Ideale und religiösen Pflichten, Besitz von Privatvermögen, längere Besuchsreisen, modische Kleidung, eigene Diensboten, aufwendige Feste bei der Ablegung des Ordensgelübdes). Zur Durchsetzung der Reform holte der Abt eine neue Äbtissin, Anna Ketteler (1477-86), und bereits reformierte Nonnen aus dem Kloster Kentrop (Hamm/Westf.) nach Benninghausen, um den Widerstand der Nonnen in Benninghausen gegen eine Verschärfung der Observanz zu brechen. Die Nonnen, die das Kloster verlassen hatten, kehrten schließlich zurück und akzeptierten die Reform; vermutlich blieb ihnen keine andere Wahl. Verfallene Klosterbauten wurden mit Hilfe des Kamper Abtes teils durch Schuldenerlaß, teils durch Schenkung von 100 Goldgulden saniert (Quelle: Chronik der Abtei Camp a.a.O, S. 335).


1483 - 93
Die Reform von 1477 bewirkte einen nachhaltigen geistigen und wirtschaftlichen Aufschwung des Klosters unter den drei Äbtissinnen Anna von Ketteler I. (1477-86), Petronilla von Galen (1486-96) und Anna von Kettler II. (1509-48), so dass Benninghausen als Reformzentrum in der Lage war, bei den vom Generalkapitel angeordneten Klosterreformen eigene Nonnen zur Reform anderer Zisterzienserinnenklöster abzustellen, und zwar für Holthausen (1483), für Netze in Waldeck (1487), für Georgenberg in Frankenberg/Eder (1488) und für Welver bei Soest (1493). Aus dem Kreis der Benninghausener Nonnen wurden jeweils die neuen Äbtissinnen dieser vier Klöster gewählt.

1509 - 48

Der Kamper Abt Johannes von Hüls verband die Amtseinführung der neuen Äbtissin Anna Kettler II. (1509-48) am 8.11.1509 mit einer Visitation des Klosters: Es lebten 23 Profeßnonnen, 23 Konversinnen und
4 Novizinnen im Kloster. Außerdem machte er eine Bestandsaufnahme des Inventars (Ausstattung der Kirche, Arbeits- und Wohnräume, Schulden und Einnahmen usw.) und stellte fest, dass das Mauerwerk der Klostergebäude und Kirche teilweise völlig verfallen war (Quelle: Seibertz UB III Nr. 1009 : "structura monasterii et ecclesiae in parte omnino defectuosa" ). Der Viehbestand belief sich damals auf 8 Ackerpferde, 22 Pferde, 80 Stück Rindvieh, jährlich ausreichende Schweine und ca.100 Schafe.
Die Äbtissin erhielt 1513 vom Landdrosten für ein Jahr die Erlaubnis, Kollektengelder im Erzstift Köln zum Bau einer neuen Klosterkirche zu sammeln; das Langhaus der Kirche mit 4 Jochen wurde 1514 neu errichten. Wegen der hohen Kosten (1000 Gulden) schloss sie mit der Pfarrei einen Vertrag über die von der Pfarre zu erbringende Bauleistungen (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nr. 420, 421 a.a.O.). Die Klosterkirche besaß eine Nonnenempore, während die Unterkirche als Pfarrkirche diente.
Unter dieser Äbtissin stieg die Zahl der Nonnen auf 35 im Jahre 1530 wieder an, die Zahl der Konversen auf 27 (Quelle: Schelhasse, S.46 a.a.O.). Dennoch kann nicht übersehen werden, dass das Kloster ständig neues Kapital aufnehmen (Rentenverkäufe) und dafür Klosterhöfe bzw. -ländereien verpfänden mußte. Es kam 1545 sogar zu einer Konkurs-Eröffnung gegen das Kloster durch den Soester Richter Johann Cordes bezüglich sämtlicher Klostergüter im Gerichtsbezirk von Soest; allerdings wurde der Verkauf der Pfandgüter an einen Soester Bürger (1550) nach einem Jahr rückgängig gemacht.
Äbtissin Anna Kettler war in verschiedene Prozesse verwickelt, die zugunsten des Klosters ausgingen oder durch Vergleich beigelegt wurden, z.B. entschied der Kölner Erzbischof Hermann von Wied 1517 den jahrelangen Streit Kloster contra Schorlemer über die Schaftrift zu Norddorf (Kirchspiel Horn) zugunsten des Klosters (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nr. 429); außerdem gab es weitere vergleichbare Streitfälle mit anderen Höfen (vgl. Schelhasse, S. 75 a.a.O.). Die Äbtissin hatte außerdem Probleme mit leibeigenen Bauern (im Jahre 1560 gehörten noch 53 abgabepflichtige Höfe und Kotten zum Klosterbesitz) und konnte z.B. die Versuche höriger Bauern, sich den Klosterhof Weringhof in Erwitte anzueignen, vereiteln (Quelle: Schelhasse, S. 74,75 Fußnote).


1548 – 1602

In der Zeit der Äbtissinnen Margaretha von Mervelt (1567-78), Margaretha von Plettenberg (1578–79) und Anna Walraven (1581–1614) war das Kloster durch die Altschulden und neue Kreditaufnahmen (Rentenverkäufe) erheblich verschuldet. Der Kamper Abt Johannes von Langenrey (1572–84) drohte 1575 sogar damit, künftig keinen Konfessar wegen der schlechten Besoldung nach Benninghausen zu schicken (Quelle: Schelhasse S.77, 78 a.a.O.).  Unter der Äbtissin Anna von Walraben fand eine Reform der Wirtschaftsführung statt. Die Nonnen suchten gemeinsam mit ihren Familienangehörigen durch Sparmaßnahmen (Verkauf von Grundbesitz, Reduzierung des Viehbestands und der Dienstleute) die Schuldenkrise zu überwinden.
Innere Probleme zeichneten sich ab, da die Reformation den Konvent in der Glaubensfrage spaltete. Waren die frühen reformatorischen Bestrebungen zunächst auf die großen Städte (Werl, Soest, Lippstadt) begrenzt, so kam das Kloster doch mit den reformatorischen Ideen in Berührung. Ob Nonnen den Laienkelch nach 1555 begehrten oder wegen ihrer protestantischen Überzeugung das Kloster verließen, ist nicht bekannt, jedenfalls sank ihre Zahl drastisch auf 11 Nonnen im Jahre 1579 herab.
Die protestantische Beeinflussung zeigte sich 1582-83 deutlich, als Fürstbischof Gebhard von Waldburg einen Prediger im Kloster Benninghausen für eine kurze Zeit einsetzte (Quelle: Schelhasse, S. 44 a.a.O.).
Wie aus einem Brief der Nonnen von 1586 an den Kölner Fürstbischof (Ernst von Bayern) hervorging (Quelle: Schehasse, S. 57 a.a.O.), war die angespannte Lage des Klosters durch die konfessionellen Gegensätze im Konvent und andere Uneinigkeiten entstanden. Das Kloster konnte jedoch seinen katholischen Status trotz aller Wirren der Reformation behaupten. Die Visitation des Klosters im Jahre 1602 durch die Äbte von Hardehausen, Marienfeld und Kamp war wenig erfolgreich, da die getroffenen Anordnungen über Lebensweise und Verhalten der Nonnen kaum beachtet und anläßlich der späteren Reform von 1616 durch den Kamper Abt Karl Reinertz erneuert wurden.

1614 - 63

Die Wahl und Einsetzung der Äbtissin Anna von der Heße (1614–35) erfolgte unter dem Abt von Bredelar im Auftrag des Kamper Abtes, dessen Kloster im Truchsessischen Krieg zerstört wurde. Der Kamper Abt Carl Reinertz versuchte 1616 das Kloster Benninghausen im Geist des Konzils von Trient zu reformieren, nachdem unter dem Kölner Fürstbischof Ferdinand von Bayern (1612-50) im Herzogtum Westfalen die Gegenreformation eingeleitet wurde. Dabei zeigte sich, dass die Klausuranordnungen von 1602 praktisch nicht beachtet wurden. Der Visitationsbericht des Abts enthielt ähnliche Feststellungen zum inneren Zustand des Klosters (vgl. Schelhasse, Fußnote S. 64; LA-NRW Benninghausen Nr. 565 a.a.O.) wie z.B. sein späterer Bericht über die Reform in Saarn 1619: Nach Auffassung des Abts war Benninghausen in geistiger und weltlicher Hinsicht zusammengebrochen („..monasterium reperimus statum tam in spiritualibus quam in temporalibus collapsum..“). Die Klostergebäude befanden sich in einem schlechten Zustand. Der Abt bestand erneut auf die Einhaltung der früheren Anweisungen von 1602, die Klausur zu beachten, keine getrennten Küchen zu führen, Mahlzeiten gemeinsam einzunehmen, Fremde nicht in den Klausurbereich einzulassen, Besucher außerhalb des Klosters unterzubringen, schmucklose Kleidung zu tragen (insbesondere sollte das "krause Hauptgezier" abgeschafft werden), Reisen zu beschränken (Besuche bis zu 6 Wochen von Eltern oder Verwandten nur alle 3 Jahre) und keine Festmahle bei der Profess einer Nonne zu veranstalten. Die Äbtisin sollte jährlich Rechnung legen, kranke Konventsmitglieder sollten besser versorgt und schadhafte Zimmer und Gebäude repariert werden. Der Beichtvater wurde angehalten, die Vorschriften 4-mal im Jahr den Nonnen bekannt zu geben und denjenigen Nonnen die Kommunion zu verweigern, die sich diesen Vorschriften nicht unterwerfen würden.
Diese Klausurvoschriften wurden jedoch in den folgenden Jahrzehnten aufgrund der Kriegswirren des 30-jährigen Krieges und der daraus resultierenden Notzeiten kaum beachtet, so dass bei den Visitation in den Jahren 1626 und 1628 nicht nur die Einhaltung der Klausur erneut eingeschärft wurde, sondern 1628 wohl auch einige Nonnen exkommuniziert wurden (Quelle: Schelhasse, S.66-68 a.a.O.).
Kloster Benninghausen kam unter die Aufsicht der Abtei Marienfeld. Seit 1620 bestellte Marienfeld den Beichtvater (Propst) in Benninghausen (Quelle: Germania Sacra, § 25, Confessare in Benninghausen zwischen 1620 bis 1790). Auch dieser Abt bat bereits 1621 das Kloster (vermutlich ohne Erfolg), die Einkünfte des aus Marienfeld stammenden Beichtvaters durch die Übertragung der Pfarrei Benninghausen zu verbessern (Quelle: Herzogtum Westfalen, Landesarchiv A. 1399).

Lippstadt war im Winter 1620-21 von Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel mit seinen Truppen besetzt. Die Truppen der kath. Liga eroberten die Stadt 1623 zurück und blieben bis 1633. Die Kriegsparteien drangsalierten von hier aus die Bevölkerung zwischen Münster und Paderborn durch Plünderungen und Kontributionen. Hiervon war auch das Kloster Benninghausen betroffen, das einen wirtschaftlichen und auch religiösen Niedergang erlebte. Bereits 1625/26 wurden Fremdmittel für eine neue Orgel aufgenommen, deren Einbau erst 1701 erfolgen konnte. Die Äbtissin nahm 1633 ein Darlehen auf, da das Kloster Opfer von Raubüberfällen wurde (Quelle: Schelhasse S. 42 a.a.O. : "Rente von 6 Rtlr. gegen Verpfändung eines Klosterhofes für eine Summe von 100 Rtlr., die wir zu unseres Klosters Nutzen bei diesen hochbeschwerlichen und teuren Zeiten, da wir des unsrigen ganz und gar beraubt worden, angewendet haben" ).
Abt Johann von Marienfeld führte 1635 die neue Äbtissin Elisabeth Hellenbergh Grüter (bisher Kellnerin) in ihr Amt ein (Quelle: LA-NRW, Benninghausen, Nr.584). Sie konnte in ihrer langen Amtszeit von 30 Jahren den Verfall des Klosters nicht aufhalten, das immer weiter in Schulden geriet.

1649
Nach dem Ende des 30-jährigen Krieges wurde in der Klosterkirche ein neuer Hochaltar eingeweiht.

1663-1720
Bei der Wahl der Äbtissin Elisabeth von Berninghausen im Jahr 1663 lebten insgesamt 9 namentlich bekannte Nonnen im Konvent (Quelle: HStA Nr. 617 a.a.O.: Äbtissin Erica Elisabeth von Berninghausen, Priorin Eva Maria von Wrede, Conventualinnen Christina Elisabeth von Hesse, Elisabeth von Aschebroick, Clara Anna von Dumbstorph, Agnes Elisabeth von Hesse, Christina von Wrede, Alexandrina Dorothea von Höffingen, Regina Magdalena von Dersche). Die wirtschaftliche Lage des Klosters war zerrüttet, die erheblichen Schulden waren bis zum Ende des Jahrhunderts noch nicht abgetragen und weitere Rentenverkäufe bzw. Obligationen zur Ablösung von Altschulden nötig (Quelle: HStA Nr. 628 a.a.O: Rentenverkauf 1680). Der Zwang zur Sparsamkeit führte dazu, dass das Kloster sogar vor Pfändungen säumiger Bauern nicht zurückschreckte, die offenbar in Not geraten waren (Quelle: Schelhasse S. 76 a.a.O.).
Nach dem Tod der Äbtissin (+1677) nahm die neu gewählte Äbtissin Judith Theresia von Walraven zu Bersenbrück die Wahl nicht an (Quelle: LA-NRW, Benninghausen, Nr. 627).
Nachfolgerin wurde Anna von Westfalen aus dem Kloster Holthausen (Quelle: HStA Nr. 627 a.a.O.). Diese Vorgänge sowie die inneren Verhältnisse im Kloster lassen vermuten, dass die Wahl der neuen Äbtissin 1678 aus einem anderen Konvent vom Vaterabt des Klosters Marienfeld favorisiert wurde.
Die Visitation von 1681 durch den Abt des Klosters Altenberg als Ordensvikar ergab, dass die Klausurbestimmungen kaum eingehalten wurden; der Abt forderte daher die Einhaltung unter Androhung harter Strafen. Der "Cöllnische Sufragan" (vermutlich der Paderborner Bischof) forderte den Pastor zu Benninghausen sogar auf, ihm über den Zwang, mit welchem die Priorin Anna Christina von Bock-Hanxleden in das Kloster Benninghausen getrieben worden wäre, Auskunft zu erteilen (Quelle: HStA Nr. 630 a.a.O.).
Das Generalkapitel des Ordens beschloss 1683 in Paris, an dem auch der Abt von Marienfeld teilnahm, erneut, die inkorporierten Frauenklöster „ad strictam clausuram“ zu verpflichten (Quelle: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Marienfeld S.124 a.a.O.). Die Bemühungen des Abts um die Einhaltung der Klausur in Benninghausen hatten keine nachhaltige Wirkung, da noch 1740 bei einer Visitation u.a. angeodnet wurde, dass die privaten Einkünfte einzelner Nonnen für die Gemeinschaft verwendet werden müßten und keine Nonne eine eigene Dienstbotin halten dürfte (Quelle: Schelhasse, S.70 a.a.O.).
In der 2.Hälfte des 17. Jhs. gab es zwar einige Verbesserungen der klösterlichen Verhältnisse: Im Jahre 1678 lebten wieder 14 Nonnen im Konvent, 1698 waren es 12 Nonnen und 2 Laienschwestern. Eine neue Krankenabteilung wurde eingerichtet. 1690 mußten eine zersprungene Glocke ersetzt und 1692 verfallene Wirtschaftsgebäude erneuert werden. Die Kirche erhielt 1693 eine neue Kanzel. 1701 wurde eine neue Orgel eingebaut, für die bereits 1625/26 Fremdmittel aufgenommen worden waren.
Die wirtschaftliche Lage war insgesamt nicht zufriedenstellend, da 1692 für die Reparaturarbeiten erneut ein Kredit von 300 Rtr. gegen Verpfändung von Ländereien aufgenommen wurde. Die Nonnen wurden anläßlich der Visitation von 1698 zur größten Sparsamkeit angehalten, weil das Kloster noch erheblich verschuldet war (Quelle: Schelhasse S. 41, 80 a.a.O.). Als 1704 ein Sturm die Klostermühle zerstörte, konnte das Kloster aus eigener Kraft die Mittel zur Wiederherstellung nicht aufbringen und mußte sich dazu das Geld von der Klosterfrau von Gahlen leihen.
Ein Rechtsstreit mit dem Kloster Liesborn, das eine neue Mühle an der Lippe errichten lassen wollte, endete 1715 mit einem Vergleich. Liesborn stellte den Bau der Mühle einstweilen gegen eine Abfindung zurück, für die der Frauenkonvent eine Schuldverschreibung ausstellte (Quelle: Regesten Kloster Benninghausen).

1721
Der Vermögensbestand des Klosters besserte sich soweit, dass die Äbtissin Sophia Elisabeth von Oheimb (1707-25) die Klostergebäude im spätbarocken Stil 1721 (Inschrift über dem Haupteingang) neu errichten lassen konnte. Das Wappen dieser Äbtissin mit der Jahreszahl 1725 (Sterbejahr) ist außerdem im Treppenhaus des Hauptgebäudes angebracht. Die Bauarbeiten wurden noch unter der Äbtissin Anna Theodora von Kleinsorgen (1725-59) fortgesetzt, da ein Anbau 1726 entstand.

1756 - 63
Der siebenjährige Krieg führte das Kloster durch die Belastung mit Kontributionen an den Rand des Ruins. Das Gebiet von Benninghausen und Lippstadt lag mitten im Durchmarschgebiet der verfeindeten Kriegsparteien. Insbesondere mußten 1759 preussische Truppen in ihren Winterquartieren in der Börde versorgt werden. Der Konvent unter der Äbtissin Maria Theresia von Schorlemer (1759-72) klagte über die hohen Steuerabgaben. Das Kloster sah sich außerstande, die in den Jahren 1761 und 1763 abermalig geforderten Kontributionen und Fouragelieferungen an die in Lippstadt eingerichtete Kriegskasse abzuführen, weil die Klostereinnahmen ausblieben, so dass 1760, 1761 und 1763 mehrere Geldanleihen erforderlich waren, die bei der Klosteraufhebung noch nicht getilgt waren (Quelle: Schelhasse S.42- 43 a.a.O.).

1777
Das Kloster hatte Unannehmlichkeiten durch die ungetreue Amtsführung des Klosterpriors und Rentmeisters Thoharen (zu Horn), dessen Abberufung vom Kölner Generalvikariat schon 1777 beantragt wurde, der aber erst 1784 von seinen Ämtern suspendiert wurde (Quelle: Schelhasse, S. 72 a.a.O.).

1784 - 90
Das Ende des Klosters Benninghausen zeichnete sich ab.
Eine Folge der (erfolglosen) Auseinandersetzungen der Metropolitanbischöfe von Köln, Mainz, Trier und Salzburg mit der römischen Kurie um die jurisdiktionelle Unabhängigkeit der Bischöfe war, dass auch exemte Klöster der bischöflichen Aufsicht unterstellt wurden, die Neuwahl einer Äbtissin nur unter Vorsitz eines erzbischöflichen Kommissars erfolgen konnte und die Aufnahme von Novizinnen, solange ein Kloster verschuldet war, verboten wurde; außerdem war den Klostergeistlichen verboten, Anweisungen ihrer vorgesetzten Ordensoberen anzunehmen (Emser Punktation von 1786). Nach den Ideen des "aufgeklärten Absolutismus" galten Klöster als unzeitgemäße Institutionen, sie sollten aufgehoben und ihr Vermögen für Reformen im Sozial- und Bildungsbereich verwendet werden. Der Kölner Kurfürst Max Franz von Österreich (zugleich Erzbischof von Köln und Bischof von Münster) stand den Vorstellungen der "Aufklärung" zwar nahe, verhielt sich jedoch in der Frage der Klosteraufhebung zurückhaltend.
Das Kloster Benninghausen wurde 1790 erstmals durch den bischöflichen Kommissar Neesen im Auftrag des Kurfürsten visitiert. Die Überprüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse ergab, dass zum Kloster  207 Morgen Weide, 195 Morgen Acker,  60 Morgen Wald und Buschwerk, 7 Morgen Garten und Obsthof, 50 Morgen Fischteiche und 5 Morgen Hoffläche gehörten. Man kann davon ausgehen, dass Neesen zumindest die Vorlage der jährlichen Klosterrechnung bei der bischöflichen Behörde verfügte (vgl. Visitation Himmelpforten). Erst 1802 wurde eine klösterliche Mädchenschule in Benninghausen für die Dorfbewohner auf Anordnung des Kurfürsten eingerichtet (Quelle: Schelhasse S. 73 a.a.O.).

1804
Das Kloster wurde durch als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 aufgehoben und der Klosterbesitz enteignet. Kurz vorher lebten noch 8 Nonnen im Kloster. Die letzte Äbtissin Antonette von Amelunxen starb 1804.

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 19.02.2018