Benninghausen

Zeit bis zur Aufhebung

Benninghausen - Kirchengebäude innen
Bild 4: Abteikirche innen

1240

Ritter Johann von Erwitte und seine Ehefrau Hildegundis stifteten zu ihrem Seelenheil das Kloster Benninghausen. Sie übertrugen ihre Kirche mit allen Einkünften sowie ihre Liegenschaften in Benninghausen (darunter die curia Westhof, Äcker, Wälder, Weiden und Bewohner), die sie vom Kloster Rastede als Lehen besaßen, dem Zisterzienserinnenkloster Gevelsberg mit der Maßgabe, in Benninghausen ein Nonnenkloster zu errichten (Quelle: Seibertz I Nr. 214) .
Der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden (1238-61) bestätigte 1240 die Stiftung, nachdem das Kloster Rastede auf seine Lehensrechte verzichtet hatte, und erteilte allen, die den Aufbau des Zisterzienserinnenklosters Benninghausen durch Spenden fördern würden, einen Ablass. Auf die Bitte des Erzbischofs um Aufname des Klosters in den Ordensverband beauftragte das Generalkapitel 1244 die Äbte von Loccum und Bredelar, das Kloster Benninghausen bei zufriedenstellendem Ortsbefund in den Orden aufzunehmen und dem Kloster Kamp zu unterstellen (Quelle: Germania Sacra 3.Folge 6, Bredelar, S. 61 a.a.O.).

1245 - 80

Bereits 1245 erwarb das Kloster den Osthof Benninghausen. Der Dompropst Heinrich von Paderborn erkannte 1250 die Grundherrschaft (Villikation) des Klosters über die Güter an, aus welchen ihm Ritter Johann von Erwitte zuvor eine Rente bezahlte.
Der Ausbau der Klosteranlage und der Wirtschaftsgebäude dauerte aber noch bis zum Ende des Jahrhunderts und wurde teilweise durch Spenden finanziert; hierfür gewährten der päpstliche Legat Hugo und die Bischöfe von Paderborn und Köln in den Jahren 1252, 1262 und 1264 mehrere Ablässe (Quelle: WUB 7, Nr. 778, 1089 und 1154 a.a.O.). Noch 1262 wurde das Kloster als armes Kloster bezeichnet, und 1263 versprach der Kamper Abt, alle Wohltäter des Klosters in eine Gebetsgemeinschaft aufzunehmen (Quelle: WUB 7, Nr. 1140 a.a.O.).
Andererseits nahm die Äbtissin 1259 alle Wohltäter, die den Ausbau des Klosters Holthausen bei Büren finanziell förderten, in eine Gebetsgemeinschaft mit den westfälischen Frauenklöstern Himmelpforten, Welver, Fröndenberg und Wormeln auf.

1280-91

Im Kloster lebten um 1280 rd. 50 Monialen zusammen (Quelle: Kamper Chronik, S. 301 a.a.O.; in dieser Gesamtzahl dürften aber Professnonnen und Laienschwestern zu etwa gleichen Teilen enthalten gewesen sein - vgl. das Verhältnis beider Gruppen in den Jahren 1330, 1369 oder 1509). Das Kloster kaufte 1282 vom Stift Cappel eine Mühle an der Lippe mit Einwilligung des Edelherrn Simon von Lippe (Quelle. LA-NRW Nr. 45 a.a.O.).
Papst Honorius IV. erlaubte 1286 den Konventualinnen trotz ihres geistlichen Standes, ihre weltlichen Verwandten zu beerben. Der Kamper Abt Wilhelm bestätigte 1383 den Nonnen dieses Privileg nochmals (Quelle: Seibertz II, Nr. 866 a.a.O.).
Die Nonnen wurden beim Klostereintritt von ihren Familien meist mit Grundbesitz, Korn- bzw. Geldrenten oder Schuldverschreibungen versorgt, später auch durch ein zu zahlendes Statutengeld. Auch mußte eine Nonne angenommen werden, wenn der Landesherr ihr aufgrund seines „Rechts der ersten Bitte“ eine Klosterpfründe verschaffen wollte (Quelle: Schelhasse, S. 45, 46 a.a.O. mit Fällen in den Jahren 1375 oder 1651). Das Kloster erhielt auch großzügige Unterstützung durch adelige Familien, die ihre jungen Töchter im Kloster ausbilden ließen (Quelle: LA-NRW Nr. 77a).

Die Verwaltung des Klosters und seines umfangreichen Besitzes lag über Jahrhunderte vorwiegend in Händen von Procuratoren - häufig Mönche des Klosters Kamp -, die die weltlichen Interessen des Klosters wahrnahmen. Die Äbtissin konnte als Grundherrin über ihre leigeigenen Dienstleute frei verfügen, einen Hörigen verpfänden oder gegen einen anderen vertauschen. Im weiten Sinne gehörten zur Klosterfamilie auch solche Familien, die dem Kloster ihr Eigentum gegen eine lebenslängliche Versorgung übertrugen oder vom Kloster als Gegenleistung für frühere Dienste versorgt wurden (mehrere Beispiele für sog. Provenare bei Schelhasse S. 61).
Probst und Konvent des Klosters Oelinghausen erlaubten 1291 dem Kloster Benninghausen, in ihren Steinbrüchen die Steine für den Kirchenbau Benninghausen zu brechen (Quelle: WUB 7, 2205: ad opus ecclesie sue in benekinchusen). Allerdings lassen sich Bauaktivitäten in Benninghausen mit dieser Erlaubnis heute nicht mehr in Verbindung bringen.


1300 - 1400

Das Kloster Benninghausen bzw. seine Klosterhöfe wurden in der Zeit des Fehderechts auch Opfer von Überfällen und Plünderungen wie das benachbarte Kloster Welver (Quelle: Schelhasse S.41-42 a.a.O.). Der Kölner Erzbischof Wigbold von Holte wies 1301 daher den Scholaster der Stiftskirche und den Propst des Walburgisstiftes in Soest an, über alle, die sich an Gütern der Klöster Benninghausen und Welver vergriffen hatten, ggfls. den Kirchenbann zu verhängen (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nr. 86). Urkunden zwischen 1310–30 lassen erkennen, dass die von verschiedenen Knappen geltend gemachten Besitzansprüche an Klostergütern der Grund mancher Überfälle war (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nrn. 107, 119, 120, 121). Dabei kam es auch zu Tätlichkeiten oder Gegenwehr von Konverserven: Ein Konverserve ertränkte einen Mann in der Lippe, dessen Erben auf eine Klage gegen das Kloster verzichteten, da es eine Präbende für die Tochter des Ermordeten zahlte. In einem anderen Fall erschlugen Konversen den Bruder der Knappen Bertram und Hermann von Zelynchusen; letztere verzichteten gegen eine Sühneleistung des Klosters auf weitere Klagen (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nr. 184, 198).
In zahlreichen Urkunden wurden Besitzübertragungen bzw. Verzichtsleistungen zugunsten des Klosters behandelt; sie lassen erkennen, dass das Kloster sich um feste Einkünfte bemühte. Hier sei nur hervorgehoben, dass der Graf von Arnsberg 1306 dem Kloster den Besitz aller Güter bestätigte, die seine Vorfahren bisher dem Kloster schenkten. Der Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg bestätigte 1309 die vom Kloster festgesetzten Bezüge (Korn, Geld) für den Pfarrer der Kirche (Quelle: Seibertz III, Nr.528 a.a.O.). Das Kloster erhielt 1329 nochmals finanzielle Unterstützungen durch einen Ablaßbrief (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nr. 178).

Dem Konvent wurde 1330 gestattet, über die festgelegte Zahl von zusammen 50 Nonnen und Laienschwestern hinaus noch weitere „10 moniales oder conversas“ aufzunehmen (Quelle: Seibertz II Nr. 632 a.a.O. mit Fußnote). In einem Visitationsbericht von 1369 wurde die Zahl der Professnonnen mit 22 angegeben, diese Zahl veränderte sich bis 1509 (23 Professnonnen) praktisch nicht. 


1400

Das regelmäßige Chorgebet, die meditativen Betrachtungen und Fürbitten für das Seelenheil der Stifter zahlreicher Memorien waren wesentlicher Inhalt des kontemplativen Klosterlebens. Im Laufe der Zeit traten aber Veränderungen des strengen Klausurlebens auf. Klösterliche Gebräuche und Privilegien wurden oft nach außen als Verweltlichung und Regelverstöße angesehen, obwohl sie letztlich das Ergebnis einer jahrzehntelangen legitimen Lebensentfaltung des Klosters waren (z.B. Privatbesitz, Beerbung von Verwandten, Kontakte zur Außenwelt). Die Klosterreformen nach dem Konzil von Basel (1431–49) sollten in den Frauenklöstern wieder die strenge Beachtung der Klausurregeln und eine klösterliche Lebensweise in Armut und Abgeschiedenheit von der Außenwelt erreichen. Über Reformbemühungen des Kamper Abtes in der ersten Hälfte des 15.Jhs. in Benninghausen sind Einzelheiten nicht bekannt. Eine Reform kam erst 1477 nach dem Ende der Soester Fehde und nach längeren Widerständen der Nonnen zustande.


1446 – 73

In der Zeit der “Soester Fehde” (1444-49) zwischen dem Kölner Erzbischofs Dietrich II. von Moers (1414–63) und der Stadt Soest geriet Benninghausen in äußere Bedrängnisse, als Söldnertruppen des Erzbischofs zahlreiche Städte in der Soester Börde einnahmen und schließlich (erfolglos) Lippstadt und Soest belagerten. Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Klosters verschlechterten sich in dieser unruhigen Zeit infolge der Verwüstung von Klosterhöfen.

1477

Der Kamper Abt Heinrich von Ray legte 1473 Anteile einer Ordenssteuer (insgesamt 6000 Dukaten „zur Verteidigung der Rechte und Privilegien der Römischen Curie“) auf die ihm unterstehenden Klöster um. Die Steuer betrug je nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit der 14 Kamper Frauenklöster zwischen 1 und 4 rheinische Golddukaten. Benninghausen zählte zu den weniger bemittelten Klöstern, da es zur Zahlung von nur einem Dukaten veranschlagt wurde (Quelle: Binterim u. Mooren, Nr. 436 a.a.O.).

Eine Klosterreform wurde 1477 am Fest "sanctorum quatuor coronatorum" (8.Nov.) durch den Kamper Abt Heinrich von Ray und die Unterstützung der Edelherren zur Lippe durchgeführt. In Benninghausen zeigte sich ein ähnliches Bild wie etwa 5 Jahre später bei den Reformen in Welver und Holthausen. Es waren mehrere Nonnen mit der Reform nicht einverstanden, weil sie vermutlich ihre standesgemäße Lebensweise nicht aufgeben wollten, den Verlust ihrer bisherigen Privilegien befürchteten oder unter anderen - d.h. weniger strengen - Voraussetzungen in das Kloster eingetreten waren. Sie verließen das Kloster und gingen eine Zeit lang in andere noch nicht reformierte Klöster oder blieben bei Eltern oder Freunden. Die Vorwürfe gegen die Nonnen in Benninghausen sind nicht näher bekannt, jedoch dürften sie den allgemein erhobenen Vorwürfen entsprochen haben (mangelnde Umsetzung der asketischen Ideale, Besitz von Privatvermögen, nachlassende religiöse Pflichterfüllung, längere Besuchsreisen, modische Kleidung, eigene Diensboten, aufwendige Feste bei der Ablegung des Ordensgelübdes). Zur Durchsetzung der Reform holte der Abt eine neue Äbtissin, Anna Ketteler (1477-86), und bereits reformierte Nonnen aus dem Kloster Kentrop (Hamm/Westf.) nach Benninghausen, um den Widerstand der Nonnen in Benninghausen gegen eine Verschärfung der Observanz zu brechen. Die Nonnen, die das Kloster verlassen hatten, kehrten schließlich zurück und akzeptierten die Reform; vermutlich blieb ihnen keine andere Wahl.  Verfallene Klosterbauten wurden mit Hilfe des Kamper Abtes teils durch Schuldenerlaß, teils durch Schenkung von 100 Goldgulden saniert (Quelle: Chronik der Abtei Camp a.a.O, S. 335).

1483 - 93
Die Reform von 1477 bewirkte einen nachhaltigen geistigen und wirtschaftlichen Aufschwung des Klosters unter den drei Äbtissinnen Anna von Ketteler I. (1477-86), Petronilla von Galen (1486-96) und Anna von Kettler II. (1509-48), so dass Benninghausen zu einem geistigen Reformzentrum wurde und in der Lage war, bei den vom Generalkapitel angeordneten Klosterreformen eigene Nonnen zur Reform anderer Zisterzienserinnenklöster abzustellen, und zwar für Holthausen (1483), für Netze in Waldeck (1487), für Georgenberg in Frankenberg/Eder (1488) und für Welver bei Soest (1493). Aus dem Kreis der Benninghausener Nonnen wurden jeweils die neuen Äbtissinnen dieser vier Klöster gewählt.

1509 - 48

Nach dem Tode der Äbtissin Petronella von Galen wurde Anna Kettler II. zur Äbtissin gewählt. Der Abt Johannes von Hüls verband die Amtseinführung der Äbtissin am 8.11.1509 mit einer Visitation des Klosters: Es lebten 23 Profeßnonnen,

23 Konversschwestern und 4 Novizinnen im Kloster; außerdem machte er eine Bestandsaufnahme des Inventars (Ausstattung der Kirche, Arbeits- und Wohnräume, Schulden und Einnahmen usw.) und stellte fest, dass Kirche und Klostergebäude teilweise im schlechten Zustand waren. Der Viehbestand belief sich auf 8 Ackerpferde, 22 Pferde,

80 Stück Rindvieh, jährlich ausreichende Schweine und ca.100 Schafe (Quelle: Seibertz, Bd. 3 Nr. 1009 a.a.O.).
Die Äbtissin sorgte für den Wohlstand des Klosters und  begann 1514 mit dem Bau der spätgotischen Kirche (4 Joche). Wegen der hohen Kosten für den Kirchbau (1000 Gulden) schloss sie mit der Pfarrei einen Vertrag über zu erbringende Bauleistungen (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nr. 420, 421) und erhielt die Erlaubnis, Kollektengelder im Erzstift Köln zu sammeln. Die Klosterkirche besaß eine Nonnenempore, während die Unterkirche als Pfarrkirche diente.  Auffallend ist aber, dass die Äbtissin bis 1545 kontinuierlich Renten aus verschiedenen Höfen des Klosters verkaufte. Offenbar verpfändete sie auch Ländereien, da es 1545 zu einer Konkurs-Eröffnung durch den Soester Richter Johann Cordes bezüglich sämtlicher Klostergüter im Gerichtsbezirk von Soest auf Veranlassung des Soester Rentmeisters kam; der Verkauf der Pfandgüter an einen Soester Bürger (1550) wurde jedoch nach einem Jahr rückgängig gemacht.
Äbtissin Anna Kettler war in verschiedene Prozesse verwickelt, die zugunsten des Klosters ausgingen oder durch Vergleich beigelegt wurden, z.B. entschied der Kölner Erzbischof Hermann von Wied 1517 den Streitfall Kloster contra Schorlemer über die Schaftrift zu Norddorf (Kirchspiel Horn) für das Kloster (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nr. 429); außerdem gab es weitere vergleichbare Streitfälle mit anderen Höfen (vgl. Schelhasse, S. 75 a.a.O.).
Die Äbtissin hatte Probleme mit leibeigenen Bauern und konnte z.B. die Versuche höriger Bauern, den Klosterhof Weringhof in Erwitte an sich zu bringen, vereiteln (Quelle: Schelhasse, S. 74,75 Fußnote). Selbst geistliche Strafen wurden gegen die Äbtissin ausgesprochen, aber 1517 wieder aufgehoben (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nr. 431).
Das Kloster erreichte unter Anna Kettler wieder einen gewissen Wohlstand und hatte eine Zunahme der Profeßschwestern von 22 auf 35 Nonnen im Jahre 1530 zu verzeichnen (Quelle: Schelhasse, S.46 a.a.O.). Im Jahre 1560 gehörten 53 abgabepflichtige Höfe und Kotten zum Klosterbesitz.


1548 – 1602

In der Zeit der Äbtissinnen Margarethe von Galen (1545-66), Margaretha von Mervelt (1567-78), Margaretha von Plettenberg (1578–79) und Anna Walraven (1579–1614) spaltete die Reformation den Konvent in der Glaubensfrage, so dass sich die Zahl der Nonnen auf 11 im Jahr 1579 drastisch verringerte. Der protestantische Einfluss zeigte sich 1583, als ein Prediger im Kloster installiert wurde, der im Dienst des abtrünnigen Fürstbischofs Gebhard von Waldburg stand (Quelle: Schelhasse, S. 44 a.a.O.). Das Kloster stand offensichtlich vor der Frage, aufgelöst oder in ein protestantisches Stift umgewandelt zu werden; es konnte jedoch seinen katholischen Status trotz aller Wirren der Reformation behaupten.  Die Finanzen waren in dieser Zeit so zerrüttet, dass 1579 nach der Wahl der Äbtissin Anna von Walraben eine Reform der Wirtschaftsführung veranlaßt wurde: Die Nonnen suchten gemeinsam mit ihren Familienangehörigen durch Sparmaßnahmen (Reduzierung des Grundbesitzes, des Viehbestands und der Dienstleute) die Schuldenkrise zu überwinden. Wie aus einem Brief der Nonnen (1586) an den Kölner Fürstbischof hervorging, war die angespannte Lage des Klosters durch die religiöse Spaltung des Konvents und andere Uneinigkeiten entstanden. Der Kamper Abt Johannes von Langenrey (1572–84) drohte sogar damit, künftig keinen Konfessar wegen der schlechten Besoldung nach Benninghausen zu schicken (Quelle: Schelhasse S.77, 78 a.a.O.).
Das Kloster wurde 1602 durch die Äbte von Hardehausen, Marienfeld und Kamp visitiert. Die getroffenen Anordnungen entsprachen inhaltlich den später (1616) erlassenen Vorschriften über das Verhalten der Nonnen.


1614 - 63

Die Wahl und Einsetzung der Äbtissin Anna von der Heße (1614–35) erfolgte unter dem Abt von Bredelar im Auftrag des Kamper Abtes, dessen Kloster zerstört war. Der Kamper Abt Carl Reinertz versuchte 1616 das Kloster Benninghausen im Geist des Konzils von Trient zu reformieren, nachdem unter dem Kölner Fürstbischof Ferdinand von Bayern (1612-50) im Herzogtum Westfalen ein kirchlicher Erneuerungsprozess (Gegenreformation) eingeleitet werden konnte. Bei der Visitation zeigte sich, dass die Klausuranordnungen von 1602 praktisch nicht beachtet wurden. Der Visitationsbericht des Abts enthielt die gleiche Feststellung zum inneren Zustand des Klosters (vgl. Schelhasse, S. 64 Fußnote; LA-NRW, Benninghausen Nr. 565) wie z.B. sein späterer Bericht über die Reform in Saarn 1619: Nach seiner Auffassung war das Kloster in geistiger und weltlicher Hinsicht zusammengebrochen („..monasterium reperimus statum tam in spiritualibus quam in temporalibus collapsum..“). Außerdem befanden sich die Klostergebäude in einem schlechten Zustand. Der Abt bestand daher erneut auf die Einhaltung der früheren Anweisungen von 1602, und zwar im Sinne der Beschlüsse des Konzils von Trient wieder die Klausur zu beachten, keine getrennten Küchen zu führen und Mahlzeiten gemeinsam einzunehmen, Fremde nicht in den Klausurbereich einzulassen, bei Besuchen von Verwandte diese außerhalb des Klosters unterzubringen, schmucklose Kleidung zu tragen (insbesondere sollte das "krause Hauptgezier" abgeschafft werden), Reisen zu beschränken (Besuche bis zu 6 Wochen von Eltern oder Verwandten nur etwa alle 3 Jahre) und keine Festmahle bei der Profess einer Nonne zu veranstalten. Die Äbtisin sollte jährlich Rechnung legen; kranke Konventsmitglieder sollten besser versorgt und schadhafte Zimmer und Gebäude repariert werden. Der Beichtvater wurde angehalten, die Vorschriften 4-mal im Jahr den Nonnen bekannt zu geben und denjenigen Nonnen die Kommunion zu verweigern, die sich diesen Vorschriften nicht unterwerfen würden (Quelle: Schelhasse, S. 66 a.a.O.).
Diese Klausurvoschriften wurden jedoch in den folgenden Jahrzehnten aufgrund der Kriegswirren des 30-jährigen Krieges und der daraus resultierenden Notzeiten kaum beachtet, so dass bei den Visitation in den Jahren 1626 und 1628 nicht nur die Einhaltung der Klausur erneut eingeschärft wurde, sondern 1628 wohl auch einige Nonnen exkommuniziert wurden (Quelle: Schelhasse, S. 68 a.a.O.).
Lippstadt war im Winter 1620-21 von Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel mit seinen Truppen besetzt. Die Truppen der kath. Liga eroberten die Stadt 1623 zurück und blieben bis 1633. Die Kriegsparteien drangsalierten von hier aus die Bevölkerung zwischen Münster und Paderborn durch Plünderungen und Kontributionen. Hiervon war auch das Kloster Benninghausen betroffen, das einen wirtschaftlichen und auch religiösen Niedergang erlebte, z.B. wurden bereits 1625/26 Fremdmittel für eine neue Orgel aufgenommen, deren Bau erst 1701 erfolgen konnte. Die Äbtissin verkaufte 1633 eine Rente (d.h.: sie nahm ein Darlehen auf), "die wir zu unseres Klosters Nutzen bei diesen hochbeschwerlichen und teuren Zeiten, da wir des unsrigen ganz und gar beraubt worden, angewendet haben" , Quelle: Schelhasse S. 42 a.a.O.).

Kloster Benninghausen kam unter die Aufsicht der Abtei Marienfeld. Seit 1620 bestellte Marienfeld den Beichtvater (Propst) in Benninghausen (Quelle: Germania Sacra, § 25, Confessare in Frauenklöstern). Der Abt bat 1621 darum, dem aus Marienfeld stammenden Beichtvater zur Verbesserung seiner Einkünfte auch die Pfarrei Benninghausen zu übertragen (Quelle: Herzogtum Westfalen, Landesarchiv A. 1399).
Abt Johann von Marienfeld führte 1635 die neue Äbtissin Elisabeth Hellenbergh Grüter (bisher Kellnerin) in ihr Amt ein (Quelle: LA-NRW, Benninghausen, Nr.584). Sie konnte in ihrer langen Amtszeit von 30 Jahren den Verfall des Klosters nicht aufhalten, das immer weiter in Schulden geriet. Der Abt verlangte im übrigen für eine Visitation sog. Ordens- Kontributionsgelder. Als er später anläßlich der Wahl einer Äbtissin (1704) auch ein Pferd verlangte, wurde ihm dies verweigert (Quelle: Schelhasse, S. 63 a.a.O.).

1663-90
Bei der Wahl der Äbtissin Elisabeth von Berninghausen im Jahr 1663 lebten noch
9 Nonnen im Konvent. Die wirtschaftliche Lage des Klosters war zerrüttet, die erheblichen Schulden waren bis zum Ende des Jahrhunderts noch nicht abgetragen und weitere Rentenverkäufe bzw. Obligationen zur Ablösung von Altschulden nötig. Die äußere Not, der Zwang zur Sparsamkeit und vermutlich auch Zwistigkeiten der wenigen Nonnen schwächten den inneren Zusammenhalt. Das Kloster schreckte sogar vor Pfändungen säumiger Bauern nicht zurück (Quelle: Schelhasse S. 76 a.a.O.), die offenbar in Not geraten waren. Nach dem Tod der Äbtissin (+1677) nahm die neu gewählte Äbtissin Judith Theresia von Walraven zu Bersenbrück die Wahl nicht an (Quelle: LA-NRW, Benninghausen, Nr. 627). Daher wurde Anna von Westfalen aus dem Kloster Holthausen zur Nachfolgerin gewählt. Bei ihrer Wahl waren nur 5 Konventualinnen anwesend (Quelle: Schelhasse, S. 55 a.a.O.). Dies läßt vermuten, dass andere Nonnen des Klosters Benninghausen nicht bereit waren, die Leitung des unattraktiven Klosters zu übernehmen.
Die Visitation von 1681 durch den Abt des Klosters Altenberg als Ordensvikar ergab, dass die Klausurbestimmungen kaum eingehalten wurden; der Abt forderte daher die Einhaltung unter Androhung harter Strafen. In der Folgezeit wurde zumindest ein Krankenhaus eingerichtet.

1690 - 1720
Bei der Wahl der Äbtissin Elisabeth von Berninghausen im Jahr 1663 lebten insgesamt
9 namentlich bekannte Nonnen im Konvent (Quelle: HStA Nr. 617 a.a.O.: Äbtissin Erica Elisabeth von Berninghausen, Priorin Eva Maria von Wrede, Conventualinnen Christina Elisabeth von Hesse, Elisabeth von Aschebroick, Clara Anna von Dumbstorph, Agnes Elisabeth von Hesse, Christina von Wrede, Alexandrina Dorothea von Höffingen, Regina Magdalena von Dersche). Die wirtschaftliche Lage des Klosters war zerrüttet, die erheblichen Schulden waren bis zum Ende des Jahrhunderts noch nicht abgetragen und weitere Rentenverkäufe bzw. Obligationen zur Ablösung von Altschulden nötig (Quelle: HStA Nr. 628 a.a.O: Rentenverkauf 1680). Die äußere Not, der Zwang zur Sparsamkeit und vermutlich auch Zwistigkeiten der Nonnen schwächten den inneren Zusammenhalt. Das Kloster schreckte sogar vor Pfändungen säumiger Bauern nicht zurück (Quelle: Schelhasse S. 76 a.a.O.), die offenbar in Not geraten waren. Nach dem Tod der Äbtissin (+1677) nahm die neu gewählte Äbtissin Judith Theresia von Walraven zu Bersenbrück die Wahl nicht an (Quelle: LA-NRW, Benninghausen, Nr. 627). Daher wurde Anna von Westfalen aus dem Kloster Holthausen zur Nachfolgerin gewählt (Quelle: HStA Nr. 627 a.a.O.). Bei ihrer Wahl waren nur 5 Konventualinnen anwesend (Quelle: Schelhasse, S. 55 a.a.O.); dies läßt vermuten, dass andere Nonnen des Klosters Benninghausen nicht bereit waren, die Leitung des Klosters zu übernehmen.
Die Visitation von 1681 durch den Abt des Klosters Altenberg als Ordensvikar ergab, dass die Klausurbestimmungen kaum eingehalten wurden; der Abt forderte daher die Einhaltung unter Androhung harter Strafen. Der "Cöllnische Sufragan" (vermutlich der Paderborner Bischof) forderte den Pastor zu Benninghausen sogar auf, ihm über den Zwang, mit welchem die Priorin Anna Christina von Bock-Hanxleden in das Kloster Benninghausen getrieben worden wäre, Auskunft zu erteilen (Quelle: HStA Nr. 630 a.a.O.). In der Folgezeit wurde zumindest ein Krankenhaus eingerichtet.

1740
Der Abt von Marienfeld hatte bereits 1683 am Generalkapitel des Ordens in Paris teilgenommen; man beschloss abermals, die inkorporierten Frauenklöster „ad strictam clausuram“ zu verpflichten (Quelle: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Marienfeld S.124 a.a.O.). Die Bemühungen um die Einhaltung der Klausur hatten weiterhin keine nachhaltige Wirkung, da noch 1740 bei einer Visitation des Klosters Benninghausen u.a. angeodnet wurde, dass die privaten Einkünfte einzelner Nonnen für die Gemeinschaft verwendet werden müßten und keine Nonne eine eigene Dienstbotin halten dürfte (Quelle: Schelhasse, S.70 a.a.O.).  

1756 - 63
Der siebenjährige Krieg führte das Kloster durch die Belastung mit Kontributionen an den Rand des Ruins. Insbesondere mußten 1759 preussische Truppen in ihren Winterquartieren in der Börde versorgt werden. Der Konvent klagte über die hohe Besteuerung. Das Kloster sah sich außerstande, die in den Jahren 1761 und 1763 abermalig geforderten Kontribution aufzubringen, weil die Klostereinnahmen ausblieben, so dass 1760, 1761 und 1763 mehrere Geldanleihen erforderlich waren, die bei der Klosteraufhebung noch nicht getilgt waren (Quelle: Schelhasse S.42- 43 a.a.O.). Das Gebiet von Benninghausen und Lippstadt lag mitten im Durchmarschgebiet der verfeindeten Kriegsparteien.
 
1777
Das Kloster hatte Unannehmlichkeiten durch die ungetreue Amtsführung des Klosterpriors und Rentmeisters Thoharen (zu Horn), dessen Abberufung vom Kölner Generalvikariat schon 1777 beantragt wurde, der aber erst 1784 von seinen Ämtern suspendiert wurde (Quelle: Schelhasse, S. 72 a.a.O.).

1784 - 90
Das Ende des Klosters Benninghausen zeichnete sich ab.
Eine Folge der (erfolglosen) Auseinandersetzungen der Metropolitanbischöfe von Köln, Mainz, Trier und Salzburg mit der römischen Kurie um die jurisdiktionelle Unabhängigkeit der Bischöfe war, dass auch exemte Klöster der bischöflichen Aufsicht unterstellt wurden, die Neuwahl einer Äbtissin nur unter Vorsitz eines erzbischöflichen Kommissars erfolgen konnte und die Aufnahme von Novizinnen, solange ein Kloster verschuldet war, verboten wurde; außerdem war den Klostergeistlichen verboten, Anweisungen ihrer vorgesetzten Ordensoberen anzunehmen (Emser Punktation von 1786). Nach den Ideen des "aufgeklärten Absolutismus" galten Klöster als unzeitgemäße Institutionen, sie sollten aufgehoben und ihr Vermögen für Reformen im Sozial- und Bildungsbereich verwendet werden. Der Kölner Kurfürst Max Franz von Österreich (zugleich Erzbischof von Köln und Bischof von Münster) stand den Vorstellungen der "Aufklärung" zwar nahe, verhielt sich jedoch in der Frage der Klosteraufhebung zurückhaltend.
Das Kloster Benninghausen wurde 1790 erstmals durch den bischöflichen Kommissar Neesen im Auftrag des Kurfürsten visitiert. Die Überprüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse ergab, dass zum Kloster  207 Morgen Weide, 195 Morgen Acker,
60 Morgen Wald und Buschwerk, 7 Morgen Garten und Obsthof, 50 Morgen Fischteiche und 5 Morgen Hoffläche gehörten. Man kann davon ausgehen, dass Neesen zumindest die Vorlage der jährlichen Klosterrechnung bei der bischöflichen Behörde verfügte (vgl. Visitation Himmelpforten). Erst 1802 wurde eine klösterliche Mädchenschule in Benninghausen für die Dorfbewohner auf Anordnung des Kurfürsten eingerichtet (Quelle: Schelhasse S. 73 a.a.O.).

1804
Das Kloster wurde durch als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 aufgehoben und der Klosterbesitz enteignet.

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 28.02.2017