Benninghausen

Zeit bis zur Aufhebung

Benninghausen - Kirchengebäude innen
Bild 3: Abteikirche innen

1240

Ritter Johann von Erwitte und seine Ehefrau Hildegundis stifteten zu ihrem Seelenheil das Kloster Benninghausen. Sie übertrugen ihre Kirche samt Patronatsrecht mit allen Einkünften sowie ihre Liegenschaften in Benninghausen (darunter die curia Westhof, Äcker, Wälder, Weiden und Bewohner), die sie vom Benediktinerkloster Rastede als Lehen besaßen, dem Zisterzienserinnenkloster Gevelsberg mit der Maßgabe, in Benninghausen ein Kloster zu errichten (Quelle: Seibertz I Nr. 214 a.a.O.).
Der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden (1238-61) bestätigte 1240 die Stiftung, nachdem das Kloster Rastede auf seine Lehensrechte verzichtet hatte, und erteilte allen, die den Aufbau des Klosters Benninghausen durch Spenden fördern würden, einen Ablass (Quelle: Seibertz UB I, 218, 220 a.a.O.). Auf die Bitte des Erzbischofs um Aufname des Klosters Benninghausen in den Orden der Zisterzienser beauftragte das Generalkapitel 1244 die Äbte von Loccum und Bredelar, Benninghausen bei zufriedenstellendem Ortsbefund in den Orden aufzunehmen und der Abtei Kamp zu unterstellen (Quelle: Germania Sacra 3.Folge 6, Bredelar, S. 61 a.a.O.). Ein erster Hinweis für diese Unterstellung war die Aufnahme des Frauenkonvents 1263 in die Gebetsbruderschaft des Klosters Kamp (Quelle: WUB 7, Nr. 1140 a.a.O.), auch wenn anfangs noch Mönche des Klosters Bredelar als Zeugen bei Rechtsgeschäften in Erscheinung traten.

 

1245 - 80

Bereits 1245 erwarb das Kloster den Osthof Benninghausen, den die Edelherren von Itter und nachfolgend Everhard von Erwitte als Lehen besaßen (Quelle: WUB 7, Nr. 589, 601 a.a.O.). Der Ausbau der Klosteranlage mit Kirche, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden dauerte mehrere Jahrzehnte und wurde vorwiegend durch Spenden aus neuen Ablässen finanziert, die der päpstliche Legat Hugo und die Bischöfe von Paderborn und Köln in den Jahren 1252, 1262 und 1264 erteilten (Quelle: WUB 7, Nr. 778, 1089 und 1154 a.a.O.). Das Kloster wurde 1262 noch als ein "armes Kloster" bezeichnet.
Benninghausen hatte Verbindungen zu anderen Klöstern. Die Äbtissin nahm 1259 alle Wohltäter, die den Ausbau des Klosters Holthausen bei Büren finanziell fördern würden, in eine Gebetsgemeinschaft mit den Zisterzienserinnen der westfälischen Klöster Himmelpforten, Welver, Fröndenberg und Wormeln auf. Das Kloster Rastede verzichtete 1276 auf alle Ansprüche an den Gütern, auf denen das Kloster Benninghausen errichtet wurde, und bat die Nonnen, das Jahrgedächtnis für die drei Gründer von Rastede zu halten. Ein weiterer Kontakt entstand 1286 mit dem Kanonissenstift Geseke durch eine Gebetsgemeinschaft (Quelle: WUB 7, Nr. 2040 a.a.O.).


1280

Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Klosters waren durch Vermehrung des Grundbesitz und der Einkünfte ausreichend gefestigt, so dass nach der Kamper Chronik um 1280 die Zahl der Monialen (Professnonnen und Laienschwestern) auf insgesamt 50 geschätzt wurde (Quelle: Kamper Chronik, S. 301 a.a.O.). Es waren vorwiegend ansässige Adelsfamilien, ferner die Dienst- und Burgleute adeliger Herrschaften sowie Patrizierfamilien in den größeren Städten (Werl, Soest, Hovestadt, Lippstadt), die dem wachsende Kloster Memorien (z.B. Grundbesitz) für das eigene Seelenheil stifteten und das Kloster durch den Verkauf von Ländereien unterstützten. Teilweise standen solche Schenkungen mit dem Klostereintritt adeliger Mädchen und Frauen im Zusammenhang, deren Lebensunterhalt dadurch gesichert wurde. Im Zeitraum von etwa 1250 bis 1300 wurden urkundlich die Grafen von Arnsberg, von der Mark und von der Lippe erwähnt, außerdem die Herren von Itter, von Rietberg, von Rudenberg, von Erwitte, von Büren, von Holte, von Stormede, von Schorlemer, von Elleren, von Wreden, von Plettenbracht oder Bolike. Die Nonnen sind diesem Personenkreis zuzuordnen.
Nur wenige Urkunden gingen auf die Mitgift der Nonnen beim Klostereintritt näher ein: Die Brüder von Elleren z.B. übertrugen 1276 dem Kloster für ihre Schwestern Margarethe und Clara die Erbgüter zu Bucheim, die den Schwestern zustanden. Ein Lipstädter Bürger stattete seine Tochter 1299 mit den Einkünften aus verschiedenen Gütern aus (Quelle: WUB 7, Nrn. 1587, 2542 a.a.O.).
Das Kloster bezog außerdem Einnahmen von sog. Provenaren (Kleriker oder Eheleute), die in die Konfraternität des Klosters aufgenommen wurden und sich mit der Übertragung ihres ganzen Besitzes eine lebenslange Versorgung durch das Kloster sicherten (Quelle: Regesten Benninghausen; außerdem Schelhasse mit mehreren Beispielen in der Zeit zwischen 1325-1534, S. 61 a.a.O.). Das Kloster erhielt auch großzügige Unterstützung durch adelige Familien, die ihre Kinder im Kloster erziehen ließen (Quelle: LA-NRW Nr. 77a; außerdem Seibertz UB III, Nr. 1009 a.a.O.: "iuvenculas scolares" im Jahre 1509). Papst Honorius IV. erlaubte 1286 den Konventualinnen, ihre weltlichen Verwandten zu beerben; dieses Privileg wurde 1383 dem Kloster nochmals vom Kamper Abt bestätigt (Quelle: Seibertz II, Nr. 866 a.a.O.).
Die weltlichen Angelegenheiten des Klosters und die Verwaltung des umfangreichen Besitzes lag über Jahrhunderte in den Händen von Procuratoren, die meist auch das Amt des Beichtvaters ausübten und aus den Klöstern Kamp und Marienfeld kamen. Das Kloster kam für die Bedürfnisse der Pfarre sowie für den Unterhalt und die Beköstigung des Pfarrers auf (Quelle: Seibertz III, Nr. 528 a.a.O.: der Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg bestätigte 1309 die vom Kloster festgesetzten Bezüge in Naturalien und Geld für den Pfarrer der Kirche). Die Einkünfte des Pfarrers waren aber meist so gering, dass sie im Lauf der Zeit Anlaß zu mehrfachen Beschwerden gaben, da der Pfarrer die Kosten für einen Hilfsgeistlichen allein tragen mußte.

 

1291 - 1330

Die Nonnen durften seit 1291 in den Steinbrüchen des Klosters Oelinghausen die Steine für den Kirchenbau Benninghausen brechen lassen (Quelle: WUB 7, 2205 a.a.O.: ad opus ecclesie sue in benekinchusen). Benninghausen erhielt 1329 nochmals finanzielle Unterstützung durch eine Sammelindulgenz von 12 Bischöfen (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nr. 178 a.a.O.) für alle, die dem Kloster u.a. durch Spenden für den Bau, die Beleuchtung und die sonstige Ausstattung helfen würden.
Die Wohnverhältnisse und Einkünfte des Klosters boten um 1330 die nötige Existenzgrundlage für die Aufnahme zusätzlicher Monialen; es wurde dem Kloster 1330 erlaubt, über die festgelegte Zahl von insgesamt 50 Monialen hinaus weitere
„10 moniales oder conversas“ aufzunehmen (Quelle: Seibertz II Nr. 632 a.a.O. mit Fußnote).
In der Zeit des Fehderechts im 14. Jh. kam es zwischen dem Kloster und den Nachfahren verschiedener Stifter zu Streitigkeiten über Ansprüche auf geschenkte Klostergüter oder wegen unerlaubter Nutzung von Klostergrundstücken. Die meisten Streitigkeiten wurden durch Vergleich oder durch Zahlung einer Abfindung seitens des Klosters beigelegt (Quelle: Schelhasse, S. 104 a.a.O.).
Das Kloster bzw. seine Klosterhöfe wurden auch Opfer von Überfällen, Plünderungen und Viehraub wie das benachbarte Kloster Welver (Quelle: Schelhasse S.41-42 a.a.O.). Es kam offensichtlich auch zu Tätlichkeiten oder Gegenwehr der Konverserven. Das Kloster erhielt Schutz z.B. für seine Güter Sudikenhovele vom Ritter Everhard Boleke, dem es das Vorkaufsrecht für diese Güter und eine Memorie für ihn selbst und seine Familie versprach. Der Kölner Erzbischof Wigbold von Holte wies bereits 1301 den Scholaster der Stiftskirche und den Propst des Walburgisstiftes in Soest an, die Besitzungen des Klosters Benninghausen (ebenso Welver) gegen frevelhafter Übergriffe zu schützen und ggfls. den Kirchenbann zu verhängen (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nr. 86).
Die Aebte der Klöster Kamp, Hardehausen, Marienfeld und Bredelar forderten 1330 die weltlichen Richter auf, die Konversen des Klosters Benninghausen nicht vor ein weltliches Gericht zu ziehen. Ein Konverserve ertränkte 1331 den Heydenreich Poppensel in der Lippe, dessen Erben auf eine Klage gegen das Kloster Benninghausen verzichteten, da es eine Präbende für die Tochter des Ermordeten zahlte. In einem anderen Fall erschlugen Konversen 1336 den Bruder der Knappen Bertram und Hermann von Zelynchusen. Letztere verzichteten gegen eine Sühneleistung des Klosters auf weitere Klagen (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nr. 184, 198 a.a.O.). Es gab aber auch Fälle, dass dem Kloster Urfehde (Verzicht auf Gewaltmaßnahmen gegen das Kloster) geschworen werden mußte (z.B. Regest von 1425: Johann de Kerle zu Schmerlecke schwörte dem Kloster vor dem Richter in Hamm die Urfehde).
Die geschenkten bzw. angekauften Ländereien und Wohnstätten einschl. der Salzhäuser in Westernkotten lagen nach den in den Urkunden angegebenen Ortsnamen in einem Gebiet zwischen den Städten Soest, Bad Sassendorf, Lippetal, Lippstadt, Geseke, Erwitte und Schmerlecke. Das Kloster stand dadurch in enger Verbindung mit den Grafen von Arnsberg und von der Marck, den Herren von Büren, dem Bischof von Paderborn, mit verschiedenen Patriziergeschlechtern in Soest und Lippstadt sowie mit adeligen Herrschaften der Umgebung (Schorlemer, von Ruden, von Landesberg, von Plettenbracht, von Hurde, von Boleke, von Lohne, von Meschede u.a.).
Die Äbtissin konnte als Grundherrin über ihre leibeigenen Dienstleute durch Tausch oder Verpfändung frei verfügen und besaß das Privileg, säumige Landpächter zu pfänden.


1350 - 1400

In einem Visitationsbericht von 1369 wurden 25 Professnonnen einschl. Äbtissin namentlich aufgeführt (Quelle: Schelhasse S.53 a.a.O.). Junge Frauen wurden beim Klostereintritt durch ihre Familien mit Stadthäusern, Hofgütern oder mit Renten für den Lebensunterhalt versorgt (Quelle: LA-NRW Regesten für das 14.Jh.; außerdem Schelhasse S. 52-54). In der Regel gingen derartige Güter und Einkünfte in den Gesamtbesitz des Konvents über. Verschiedene Urkunden zeigten aber, dass einzelne Nonnen durchaus Privatbesitz hatten, der aber meist zum Nutzen des Klosters und nicht zum privaten Vorteil verwendet wurde.
Die Äbtissin Christina und das Kloster verkauften 1330 ihrer Nonne Claritia von Elner Renten "zu frommen Zwecken". Die Aebtissin Margaretha und das Kloster verbürgten 1364 vier Nonnen eine Einnahme aus einem Gute Westerholte (Lippetal), und 1398 verkaufte die Äbtissin Alheid Vrovendorpes der Küsterin des Klosters, Webelken von der Moelen, eine Rente aus einem Kornhaus zu Benninghausen.
Kölner Erzbischöfe machten beim Amtsantritt von ihrem Recht der "ersten Bitte" im Kloster Benninghausen Gebrauch. Eine Nonne mußte angenommen werden, wenn der Landesherr ihr eine Klosterpfründe verschaffen wollte (z.B. 1375 Erzbischof Friedrich von Saarweden für die Tochter Wolrad seines Schildknappen Heinrich Balke oder 1651 Erzbischof Maximilian Heinrich von Bayern für Anna Elisabeth Hohcamps).

1444

In der Zeit der “Soester Fehde” (1444-49) zwischen dem Kölner Erzbischofs Dietrich II. von Moers (1414–63) und der Stadt Soest geriet Benninghausen in äußere Bedrängnisse, als Söldnertruppen des Erzbischofs zahlreiche Städte in der Soester Börde einnahmen und schließlich (erfolglos) Lippstadt und Soest belagerten. Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Klosters verschlechterten sich in dieser Zeit infolge der Verwüstung von Klosterhöfen und führten dazu, dass zwischen 1455 bis 1472 unter der Äbtissin von Rodenberg bereits mehrere Darlehen aufgenommen werden mußten.


1440 - 1500

Für diesen Zeitraum blieben weitere Urkunden erhalten (Quelle: Regesten Benninghausen), die die Versorgung der Nonnen beim Klostereintritt durch Übertragung von Höfen und Renten zum Gegenstand hatten. Ein einzelner Rentenkauf durch eine Nonne mag als Zeichen für vorhandenes Privateigentum gelten, blieb aber wohl ein Ausnahmefall. Die Nonne Elisabeth Warendorpes kaufte 1454 von Heinrich Schotte eine Leibzucht (Rente) aus dem Gute zu Westorpe (Lippstadt), ohne dass Kaufsumme und Verwendungszweck genannt wurden. Die Kauf lag wohl angesichts der Zeitverhältnisse im Interesse des Konvents. Vermutlich kaufte dieselbe Nonne 1487 auch eine Kornrente von Dietrich von Eppen aus einem Hof in Altengeseke.

 

1473

Der Kamper Abt Heinrich von Ray legte 1473 Anteile einer Ordenssteuer (insgesamt 6000 Dukaten „zur Verteidigung der Rechte und Privilegien der Römischen Curie“) auf die ihm unterstehenden Klöster um. Die Steuer betrug je nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit der 14 Kamper Frauenklöster zwischen 1 und 4 rheinische Golddukaten. Benninghausen zählte zu den weniger bemittelten Klöstern, da es zur Zahlung von nur einem Dukaten veranschlagt wurde (Quelle: Binterim u. Mooren, Nr. 436 a.a.O.).


1477

Wesentliche Inhalte des kontemplativen Klosterlebens waren das regelmäßige Chorgebet, meditative Betrachtungen und Fürbitten für das Seelenheil der Stifter zahlreicher Memorien. Die Bemühungen um eine geistige Erneuerung der Klöster im 15. Jh. war eine Folge der Konzile von Konstanz (1414-18) und Basel (1431–49). Die klösterliche Lebensweisen und die Privilegien der Nonnen stießen auf Kritik, obwohl sie letztlich das Ergebnis eines legitimen Prozesses der Klosterentwicklung waren. Mit Reformen sollte wieder ein asketisches Leben der Klosterbewohner in Armut und Abgeschiedenheit von der Außenwelt erreicht werden. Für Benninghausen gibt es keine Anhaltspunkte, ob Reformbemühungen des Kamper Abtes bereits in der ersten Hälfte des 15.Jhs. stattfanden.
Eine Klosterreform kam am 8.11.1477 durch den Kamper Abt Heinrich von Ray und mit Unterstützung der Edelherren zur Lippe zustande. Dabei zeigte sich ein ähnliches Bild wie etwa 5 Jahre später bei den Reformen in Welver und Holthausen. Einige Nonnen verließen Benninghausen eine Zeit lang, weil sie mit der Reform vermutlich nicht einverstanden waren und ihre standesgemäße Lebensweise nicht aufgeben wollten bzw. den Verlust ihrer bisherigen Privilegien befürchteten. Die Vorwürfe gegen diese Nonnen sind im Einzelnen nicht näher bekannt, jedoch dürften sie im Rahmen der allgemeinen Kritik gelegen haben (z.B. unvollkommene Umsetzung der asketischen Ideale, Besitz von Privatvermögen, ausgedehnte Besuchsreisen, modische Kleidung, eigene Diensboten, aufwendige Feste bei der Ablegung des Ordensgelübdes). Zur Durchsetzung der Reform holte der Abt eine neue Äbtissin, Anna Ketteler (1477-86), und einzelne Nonnen aus dem bereits reformierten Kloster Kentrop (Hamm/Westf.) nach Benninghausen, um den Widerstand der Nonnen in Benninghausen gegen eine Verschärfung der Observanz zu brechen. Die Nonnen, die das Kloster verlassen hatten, kehrten schließlich zurück und akzeptierten die Reform. Vermutlich hatten sie auch keine andere Wahl, um ihre Versorgungsansprüche zu behalten. Für die Sanierung verfallener Klosterbauten schenkte der Kamper Abt 100 Goldgulden (Quelle: Chronik der Abtei Camp a.a.O, S. 335).


1483 - 93
Die Reform von 1477 bewirkte einen nachhaltigen geistigen und wirtschaftlichen Aufschwung des Klosters unter den Äbtissinnen Anna von Ketteler I. (1477-86) und Petronilla von Galen (1486-96), so dass Benninghausen als Reformzentrum in der Lage war, bei den vom Generalkapitel angeordneten Klosterreformen eigene Nonnen zur Reform anderer Zisterzienserinnenklöster abzugeben, und zwar für Holthausen (1483), für Netze in Waldeck (1487), für Georgenberg in Frankenberg/Eder (1488) und für Welver bei Soest (1493). Aus dem Kreis der Benninghausener Nonnen wurden jeweils die neuen Äbtissinnen dieser vier Klöster gewählt.

1509 - 48

Der Kamper Abt Johannes von Hüls visitierte das Kloster bei der Amtseinführung der neuen Äbtissin Anna Kettler II. (1509-48) am 8.11.1509 (Quelle: Seibertz UB III, Nr. 1009 a.a.O.). In dieser Urkunde wurden nähere Angaben zum Zustand des Klosters gemacht: Es lebten 23 Profeßnonnen, 23 Konversinnen, 4 Novizinnen und 6 Schülerinnen (juvenculas scolares) im Kloster. Der Viehbestand belief sich damals auf 8 Ackerpferde, 22 Pferde, 80 Stück Rindvieh, jährlich ausreichende Schweine und ca.100 Schafe. Die Bestandsaufnahme des Inventars (Ausstattung der Kirche, Arbeits- und Wohnräume, Schulden und Einnahmen usw.) ergab ferner, dass das Mauerwerk der Klostergebäude und Kirche teilweise völlig verfallen war (Quelle: Seibertz ebd.: "structura monasterii et ecclesiae in parte omnino defectuosa").
Unter dieser Äbtissin wurde daher 1514 die noch heute existierende Kirche errichtet. Die Äbtissin hatte bereits 1513 vom Landdrosten die Erlaubnis erhalten, ein Jahr lang Kollektengelder im Erzstift Köln zu sammeln. Wegen der Baukosten von 1000 Goldgulden schloss sie mit der Pfarre einen Vertrag über die zu erbringenden Bauleistungen (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nr. 420, 421 a.a.O.). Die neue Klosterkirche besaß eine Nonnenempore, während die Unterkirche als Pfarrkirche diente.
Es wurde der Äbtissin zwar großer Eifer um die Verbesserung des klösterlichen Wohlstandes nachgesagt, da die Zahl der Nonnen im Jahre 1530 auf 35, die Zahl der Konversen auf 27 wieder anstieg (Quelle: Schelhasse, S.46 a.a.O.). Dennoch kann nicht übersehen werden, dass das Kloster zwischen 1515-44 nahezu jährlich neues Kapital (Rentenverkäufe) aufnehmen und dafür Klosterhöfe bzw. -ländereien verpfänden mußte, um die laufenden Kosten für den Unterhalt des Klosters bzw. den Kirchenneubau zu bezahlen. Es scheint, dass die fälligen Zinsen nicht bezahlt werden konnten und die Wirtschaftsführung der Äbtissin aus den Händen glitt, da sie ab 1542 auf Betreiben des Stadtkämmerers Thonies Cloicken der Stadt Soest wegen der verpfändeten Klostergüter im Soester Gerichtsbezirk mehrmals vor den Stadtrichter geladen wurde. Der Verkauf der Pfandgüter an einen Soester Bürger (1550) wurde zwar nach einem Jahr wieder rückgängig gemacht, jedoch lassen sich die näheren Umstände nicht ermitteln.
Die Äbtissin war in verschiedene Prozesse verwickelt, die zugunsten des Klosters ausgingen oder durch Vergleich beigelegt wurden, z.B. entschied der Kölner Erzbischof Hermann von Wied 1517 den jahrelangen Streit Kloster contra Schorlemer über eine Schaftrift zu Norddorf (Kirchspiel Horn) für das Kloster (Quelle: LA-NRW, Benninghausen Nr. 429 a.a.O.); außerdem gab es weitere vergleichbare Streitfälle mit anderen Höfen (Quelle: Schelhasse, S. 75 a.a.O.). Die Äbtissin hatte Probleme mit leibeigenen Bauern (es gehörten mehr als 50 abgabepflichtige Höfe und Kotten zum Klosterbesitz) und konnte z.B. die Versuche höriger Bauern, sich den Klosterhof Weringhof in Erwitte anzueignen, vereiteln (Quelle: Schelhasse, S. 74,75 a.a.O. Fußnote).


1548 – 1602

In der Zeit der Äbtissinnen Margaretha von Galen (1548-66), Margaretha von Mervelt (1567-78), Margaretha von Plettenberg (1578–79) und Anna Walraven (1579–1614) geriet das Kloster durch Altschulden und neue Kreditaufnahmen (Rentenverkäufe), durch die der Klosterbesitz belastet wurde, immer mehr in eine Wirtschaftskrise.
In den Regesten wurden nur zwei Nonnen aus der Familie von Galen erwähnt, die 1551 bzw. 1573 mit Zustimmung des Konvents aus ihrem privaten Vermögen eine vom Kloster verpfändete Rente bzw. verpfändetes Land einlösten. Es scheint, dass andere verpfändete Güter nicht mehr eingelöst wurden. Der Kamper Abt Johannes von Langenrey (1572–84) drohte 1575 sogar damit, künftig keinen Konfessar wegen der schlechten Besoldung durch das Kloster nach Benninghausen zu schicken (Quelle: Schelhasse S.77, 78 a.a.O.).  Unter der Äbtissin Anna von Walraven, deren Wahl 1579 unter dem Abt von Hardehausen infolge des Truchsessischen Krieges stattfand, wurde die Klosterwirtschaft aus der Not heraus neu geordnet. Die Nonnen suchten gemeinsam mit ihren Familienangehörigen durch Sparmaßnahmen (Verkauf von Grundbesitz, Reduzierung des Viehbestands und der Dienstleute) den weiteren Niedergang des Klosters zu verhindern.
Der Konvent befand sich außerdem in einer inneren Krise, da die Reformation den Konvent in der Glaubensfrage spaltete. Die Zahl aller Nonnen ging bis 1579 auf

11 Professs- und 14 Laienschwestern zurück. Der protestantische Fürstbischof Gebhard von Waldburg setzte sogar einen Prediger aus dem Waldeckschen Land im Kloster Benninghausen für eine kurze Zeit ein (Quelle: Schelhasse, S. 44 a.a.O.). Ob Nonnen wegen ihrer protestantischen Überzeugung das Kloster verließen oder verlassen mußten, ist heute nicht näher bekannt. Das Kloster hatte aber als Folge der konfessionellen Spannungen und der Überschuldung bzw. Verpfändung von Teilen des Besitzes seine Anziehungskraft als Versorgungsstätte adeliger Frauen eingebüßt. Die kritische Lage des Konvents ging auch aus einem Brief der Nonnen von 1586 an den Kölner Fürstbischof (Ernst von Bayern) hervor (Quelle: Schehasse, S. 77 a.a.O.: "Kloster sei durch allerhand Spaltung von etlichen unserer Jungfern in der katholischen Religion und anderer Uneinigkeit in vielfältige Schuld und Beschwerung gesetzt"). Das Kloster konnte zwar seinen katholischen Status trotz aller Wirren behaupten. Jedoch war die Visitation im Jahre 1602 durch die Äbte von Hardehausen, Marienfeld und Kamp ohne Erfolg, da die getroffenen Anordnungen über Lebensweise und Verhalten der Nonnen in der Folgezeit kaum beachtet wurden.

1614

Wahl und Einsetzung der Äbtissin Anna von Hese (1614–35) fanden unter dem Vorsitz des Abts von Bredelar im Auftrag des Kamper Abtes statt. Der Kamper Abt Carl Reinertz versuchte 1616 das Kloster Benninghausen im Geist des Konzils von Trient zu reformieren, nachdem unter dem Kölner Fürstbischof Ferdinand von Bayern (1612-50) im Herzogtum Westfalen die Gegenreformation eingeleitet wurde. Der Visitationsbericht des Abts enthielt ähnliche Feststellungen zum inneren Zustand des Konvents (Quelle: Schelhasse, Fußnote S. 64; LA-NRW Benninghausen Nr. 565 a.a.O.) wie z.B. sein späterer Bericht über die Reform des Klosters Saarn, da Klausuranordnungen von 1602 praktisch nicht beachtet wurden. Nach Auffassung des Abts war Benninghausen in geistiger und weltlicher Hinsicht zusammengebrochen („..monasterium reperimus statum tam in spiritualibus quam in temporalibus collapsum..“). Es läßt sich nicht mehr feststellen, ob die Nonnen auf ihre bisherigen Privilegien bestanden. Die getroffenen Anordnungen zeigten, welche Beanstandungen an der Lebensweise der Nonnen als innere Verfallserscheinungen bzw. Regelverstöße angesehen wurden. Die Klostergebäude befanden sich in einem schlechten Zustand. Der Abt bestand erneut auf die Einhaltung der früheren Anweisungen, die Klausur und Gottesdienstordnung zu beachten, den freien Aus- und Eingang zu unterlassen, keine getrennten Küchen zu führen, Mahlzeiten gemeinsam einzunehmen ("Alleinessen" abzustellen), Fremde nicht in den Klausurbereich einzulassen, Besucher außerhalb des Klosters unterzubringen, schmucklose Kleidung zu tragen (insbesondere sollte das "krause Hauptgezier" abgeschafft werden), Reisen zu beschränken (Besuche bei den Eltern bis zu 6 Wochen, bei sonstigen Verwandten nur alle 3 Jahre, nötige sonstige Reisen nur mit Zustimmung des Visitators) und keine Festmahle bei der Profess einer Nonne zu veranstalten. Die Äbtisin sollte jährlich Rechnung über Einkommen und Renten legen. Kranke Konventsmitglieder sollten besser versorgt, schadhafte Zimmer und Gebäude repariert und unnötiges Dienstpersonal abgeschafft werden. Der Beichtvater wurde angehalten, die Vorschriften 4-mal im Jahr den Nonnen bekannt zu geben und denjenigen Nonnen die Kommunion zu verweigern, die sich diesen Vorschriften nicht unterwerfen würden.
Auch wenn danach private Finanzaktionen einzelner Nonnen nicht mehr verzeichnet wurden, scheinen aber die Klausurvoschriften in den folgenden Jahrzehnten aufgrund der Kriegswirren des 30-jährigen Krieges und der daraus resultierenden Notzeiten kaum beachtet worden zu sein, da bei den Visitationen in den Jahren 1626 und 1628 nicht nur die Einhaltung der Klausur erneut eingeschärft wurde, sondern 1628 auch einige Nonnen wegen des Verstoßes gegen diese Vorschrift angeblich exkommuniziert wurden (Quelle: Schelhasse, S.66-68 a.a.O.).
Kloster Benninghausen kam unter die Aufsicht der Abtei Marienfeld. Seit 1620 bestellte Marienfeld den Beichtvater in Benninghausen (Quelle: Germania Sacra, § 25, Confessare in Benninghausen zwischen 1620 bis 1790). Dieser Abt bat 1621 das Kloster (vermutlich ohne Erfolg), die Einkünfte des aus Marienfeld stammenden Beichtvaters durch die Übertragung der Pfarrei Benninghausen zu verbessern (Quelle: Herzogtum Westfalen, Landesarchiv A. 1399).
Lippstadt war im Winter 1620-21 von Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel und seinen Truppen besetzt. Die Truppen der kath. Liga eroberten die Stadt 1623 zurück und blieben bis 1633. Die Kriegsparteien drangsalierten von hier aus die Bevölkerung zwischen Münster und Paderborn durch Plünderungen und Kontributionen. Hiervon war auch das Kloster Benninghausen betroffen, das sich verschulden mußte (Quelle: Regesten, Rentenverkäufe 1620). Außerdem wurden 1625/26 Kredite für eine neue Orgel aufgenommen, deren Einbau erst 1701 erfolgen konnte. Die Äbtissin Anna von Hese verkaufte 1629 Land und nahm 1631-33 verschiedene Darlehen auf, da das Kloster Opfer von Raubüberfällen wurde (Quelle: Schelhasse S. 42 a.a.O.: " 1633 eine Rente von 6 Rtlr. gegen Verpfändung eines Klosterhofes für 100 Rtlr., die wir zu unseres Klosters Nutzen bei diesen hochbeschwerlichen und teuren Zeiten, da wir des unsrigen ganz und gar beraubt worden, angewendet haben" ). Ein weiteres Darlehen von 1634 (Quelle: Regesten Benninghausen: Schuldbrief für die Nonne Petronella von der Goy) diente vermutlich ebenfalls der Verbesserung der äußeren Lebensverhältnisse des Konvents.

1635 - 50
Abt Johann von Marienfeld führte 1635 die neue Äbtissin Elisabeth Hellenbergh Grüter (bisher Kellnerin) in ihr Amt ein (Quelle: LA-NRW, Benninghausen, Nr.584). Sie konnte in ihrer langen Amtszeit von fast 30 Jahren den Verfall des Klosters nicht aufhalten. Zwar wurde 1649 nach dem Ende des 30-jährigen Krieges in der Klosterkirche ein neuer Hochaltar eingeweiht, doch war der Zustand des Klosters als Folge des Krieges und aufgrund seiner Schulden aus der Sicht des Visitators " zerrüttet und auf den Untergang zugehend".

1663-1720
An der Wahl der Äbtissin Elisabeth von Berninghausen im Jahr 1663 nahmen nur
8 Nonnen von insgesamt 14 teil (Quelle: HStA Nr. 617 a.a.O.: die Priorin Eva Maria von Wrede, die Konventualinnen Christina Elisabeth von Hesse, Elisabeth von Aschebroick, Clara Anna von Dumbstorph, Agnes Elisabeth von Hesse, Christina von Wrede, Alexandrina Dorothea von Höffingen, Regina Magdalena von Dersche). Die Schulden des Klosters waren bis zum Ende des Jahrhunderts noch nicht abgetragen und weitere Obligationen zur Ablösung von Altschulden nötig (Quelle: HStA Nr. 628 a.a.O.: Rentenverkauf 1680). Der dauernde Zwang zur Sparsamkeit führte dazu, dass das Kloster sogar vor Pfändungen der Pächter nicht zurückschreckte, die unverschuldet in Not geraten waren (Quelle: Schelhasse S. 76 a.a.O.). Sparzwänge einerseits und Strafandrohungen wegen Umgehung der Klausur andererseits dürften für das Gemeinschaftsleben der Nonnen kaum förderlich gewesen sein. Nach dem Tod der Äbtissin (+1677) nahm die neu gewählte Äbtissin Judith Theresia von Walraven zu Bersenbrück die Wahl nicht an (Quelle: LA-NRW, Benninghausen, Nr. 627). Nachfolgerin wurde 1678 Anna von Westfalen aus dem Kloster Holthausen (Quelle: HStA Nr. 627 a.a.O.), die vermutlich vom Abt des Klosters Marienfeld favorisiert wurde. Bei ihrer Wahl waren außer den bereits genannten Nonnen weitere 5 Nonnen im Konvent anwesend: Maria Elisabeth von Schade, Christ. Elisabeth von Graertz, Johanna Kath. von Wrede, Barbara Kath. von Altenbrück und Marg. Christina von der Recke (Quelle: Schelhasse S.55 a.a.O.).
Die Visitation von 1681 durch den Abt des Klosters Altenberg als Ordensvikar ergab, dass die Klausurbestimmungen kaum eingehalten wurden; der Abt forderte daher die Einhaltung unter Androhung harter Strafen. Der Pastor zu Benninghausen wurde u.a. aufgefordert, dem "Köllnischen Suffragan" (vermutlich Bischof von Paderborn) über den angeblichen Zwang, mit welchem die Priorin Anna Christina von Bock-Hanxleden in das Kloster Benninghausen getrieben worden wäre, Auskunft zu erteilen (Quelle: HStA Nr. 630 a.a.O.).
Der Abt von Marienfeld war durch den erneuten Beschluss des Generalkapitels 1683 gehalten, die inkorporierten Frauenklöster „ad strictam clausuram“ zu verpflichten (Quelle: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Marienfeld S.124 a.a.O.). Seine Bemühungen um die Einhaltung der Klausur in Benninghausen hatten keine nachhaltige Wirkung, da noch 1740 bei einer Visitation angeodnet wurde, dass die privaten Einkünfte einzelner Nonnen für die Gemeinschaft verwendet werden müßten und keine Nonne eine eigene Dienstbotin halten dürfte (Quelle: Schelhasse, S.70 a.a.O.).
In der 2.Hälfte des 17. Jhs. gab es zwar einzelne Verbesserungen der klösterlichen Verhältnisse, aber die wirtschaftliche Lage war insgesamt nicht zufriedenstellend: Eine neue Krankenabteilung wurde im Kloster eingerichtet. 1690 mußte eine zersprungene Kirchenglocke ersetzt werden. Verfallene Wirtschaftsgebäude wurden 1692 mit Hilfe eines Kredits von 300 Rtr. erneuert. Die Kirche erhielt 1693 eine neue Kanzel. Die im Kloster lebenden 12 Nonnen wurden anläßlich der Visitation von 1698 zur größten Sparsamkeit angehalten (Quelle: Schelhasse S. 41, 80 a.a.O.). 1701 wurde eine neue Orgel eingebaut, für die bereits 1625/26 Fremdmittel aufgenommen worden waren. Als 1704 ein Sturm die Klostermühle zerstörte, konnte das Kloster aus eigener Kraft die Mittel zur Wiederherstellung nicht aufbringen und mußte sich dazu das Geld von der Klosterfrau von Gahlen leihen. Ein Rechtsstreit mit dem Kloster Liesborn, das eine neue Mühle an der Lippe errichten lassen wollte, endete 1715 mit einem Vergleich. Liesborn stellte den Bau der Mühle einstweilen gegen eine Abfindung zurück, für die der Frauenkonvent eine Schuldverschreibung ausstellte (Quelle: Regesten Kloster Benninghausen).

1721
Der Vermögensbestand des Klosters besserte sich soweit, dass die Äbtissin Sophia Elisabeth von Oheimb (1707-25) die Klostergebäude im spätbarocken Stil 1721 (Inschrift über dem Haupteingang) neu errichten lassen konnte. Der Neubau war ein Zeichen der kurzen wirtschaftlichen Erholung des Klosters. Das Wappen dieser Äbtissin mit der Jahreszahl 1725 (Sterbejahr) ist außerdem im Treppenhaus des Hauptgebäudes angebracht. Die Bauarbeiten wurden noch unter der Äbtissin Anna Theodora von Kleinsorgen (1725-59) fortgesetzt, da ein Anbau 1726 entstand.

1756 - 63
Der siebenjährige Krieg führte das Kloster durch die Belastung mit Kontributionen an den Rand des Ruins. Das Gebiet von Benninghausen und Lippstadt lag mitten im Durchmarschgebiet der verfeindeten Kriegsparteien. Insbesondere mußten 1759 preussische Truppen in ihren Winterquartieren in der Börde versorgt werden. Der Konvent unter der Äbtissin Maria Theresia von Schorlemer (1759-72) klagte über die hohen Steuerabgaben. Das Kloster sah sich außerstande, die in den Jahren 1761 und 1763 abermalig geforderten Kontributionen und Fouragelieferungen an die in Lippstadt eingerichtete Kriegskasse abzuführen, weil die Klostereinnahmen ausblieben, so dass 1760, 1761 und 1763 mehrere Geldanleihen erforderlich waren, die bei der Klosteraufhebung noch nicht getilgt waren (Quelle: Schelhasse S.42- 43 a.a.O.).

1777
Das Kloster hatte Unannehmlichkeiten durch die ungetreue Amtsführung des Klosterpriors und Rentmeisters Thoharen (zu Horn), dessen Abberufung vom Kölner Generalvikariat schon 1777 beantragt wurde, der aber erst 1784 von seinen Ämtern suspendiert wurde (Quelle: Schelhasse, S. 72 a.a.O.).

1784 - 90
Das Ende des Klosters Benninghausen zeichnete sich ab. Eine Folge der (erfolglosen) Auseinandersetzungen der Erzbischöfe von Köln, Mainz, Trier und Salzburg mit der römischen Kurie um die jurisdiktionelle Unabhängigkeit der Bischöfe war, dass auch exemte Klöster der bischöflichen Aufsicht unterstellt wurden, die Neuwahl einer Äbtissin nur unter Vorsitz eines erzbischöflichen Kommissars erfolgen konnte und die Aufnahme von Novizinnen, solange ein Kloster verschuldet war, verboten wurde; außerdem war den Klostergeistlichen verboten, Anweisungen ihrer Ordensoberen anzunehmen (Emser Punktation von 1786). Nach den Ideen des "aufgeklärten Absolutismus" galten kontemplative Klöster als unzeitgemäße Institutionen, sie sollten aufgehoben und ihr Vermögen für Reformen im Sozial- und Bildungsbereich verwendet werden. Der Kölner Kurfürst Max Franz von Österreich (zugleich Erzbischof von Köln und Bischof von Münster) stand den Ideen der "Aufklärung" zwar nahe, verhielt sich jedoch in der Frage der Klosteraufhebung zurückhaltend.
Das Kloster Benninghausen wurde 1790 erstmals durch den bischöflichen Kommissar Neesen im Auftrag des Kurfürsten visitiert. Die Überprüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse ergab, dass zum Kloster  207 Morgen Weide, 195 Morgen Acker,  60 Morgen Wald und Buschwerk, 7 Morgen Garten und Obsthof, 50 Morgen Fischteiche und 5 Morgen Hoffläche gehörten. Man kann davon ausgehen, dass Neesen zumindest die Vorlage der jährlichen Klosterrechnung bei der bischöflichen Behörde verfügte (vgl. Visitation Himmelpforten). Erst 1802 wurde eine klösterliche Mädchenschule in Benninghausen für die Dorfbewohner auf Anordnung des Kurfürsten eingerichtet (Quelle: Schelhasse S. 73 a.a.O.).

1804
Das Kloster wurde infolge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 aufgehoben und der Klosterbesitz enteignet. Kurz vorher lebten noch 8 Nonnen im Kloster. Die letzte Äbtissin Antonette von Amelunxen starb 1804.

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 26.07.2018